Paris-Terror - Solidarität, Kerzen und Gedenken der Opfer

Paris (APA) - Es ist Tag zwei nach den Anschlägen in Paris. In der französischen Hauptstadt ist es am Sonntagvormittag ruhig, das Wetter ist...

Paris (APA) - Es ist Tag zwei nach den Anschlägen in Paris. In der französischen Hauptstadt ist es am Sonntagvormittag ruhig, das Wetter ist freundlich, die Sonne strahlt. Die Szene ändert sich am Platz der Republik, hier ist viel los. Auf diesem Platz, vor der riesigen Bronzestatue im Zentrum, wird der Opfer vom Freitagabend gedacht, ihnen Solidarität und Mitgefühl ausgesprochen.

Die abgebrannten Kerzen der Nacht werden ausgetauscht, weitere Blumen und Briefe niedergelegt. Jeder der Menschen am Platz hat seine eigene Geschichte. Es ist eine Welle der Anteilnahme, des Mitfühlens, der Erschütterung.

Der Platz liegt unweit des Bahnhofs Gare du Nord, dem meist frequentierten Bahnhof in Europa. Von hier verkehren Züge nach Großbritannien, Niederlande, Deutschland und Belgien. Zahlreiche Touristen sind an diesem Sonntag auf dem Weg zum Zug, sie ziehen ihre Koffer hinterher. Am Platz der Republik bleiben sie stehen, gedenken der Opfer.

„Ich habe meiner Freundin das Wochenende in Paris als Geburtstagsüberraschung geschenkt“, erzählt der Brite Grant. „Wir waren am Freitagabend gerade in der Metro, als die Anschläge passierten. Drei oder vier Stationen von hier entfernt wurde die U-Bahn gestoppt“, sagt der junge Mann.

„Wir wussten nicht, dass wir so nahe an den Anschlagorten waren. Erst als wir Stunden später zurück im Hotelzimmer waren, haben wir das im Fernsehen gesehen. Da haben wir angefangen, das zu realisieren“, ergänzt seine Freundin Lily. „Wir waren das erste Mal hier in Paris. Jetzt müssen wir zum Bahnhof. Wir wollten, wir mussten aber erst noch den Opfern unseren Respekt erweisen“, sagt die junge Frau. „Das Leben in Paris scheint normal weiterzugehen, aber die Menschen rücken sichtbar näher zusammen, viele sind zutiefst erschüttert“, beschreibt Lily.

Immer wieder mischen sich auch Jogger unter die Menschen, sie drehen am Sonntagvormittag ihre Runden rund um den Platz, der an der Grenze des 3., 10. und 11. Arrondissements liegt. Auch sie halten immer wieder einen Moment inne, treten zum Monument mit der Statue vor. Ein älterer Herr steht davor, er nimmt seine Geige auf die Schulter, spielt eine Symphonie. Die Menschen applaudieren.

Etwas abseits steht eine Frauengruppe, sie unterhalten sich auf Englisch. „Wir sind fünf Freundinnen seit Kindheitstagen. Wir leben mittlerweile in ganz Europa verstreut und haben beschlossen, uns dieses Wochenende in Paris zu treffen. Wir haben unsere Kinder und unsere Ehemänner zu Hause gelassen und sind hergeflogen“, erzählt die Spanierin Anna. „Das ist so unfassbar traurig. Aber wir haben versucht, so normal wie möglich das Wochenende zu verbringen“, sagt die Frau. „In Paris, Frankreich, auf der ganzen Welt ist es notwendig, das Leben möglichst normal weiterzuführen, ansonsten gewinnen die Terroristen“, bekräftigt Anna, ehe sie sich mit ihren Freundinnen Richtung Flughafen aufbricht.