TGV-Zugsunglück - Rätsel über Mitnahme von Kindern auf Testfahrt

Straßburg (APA/AFP) - Beim schwersten Unglück eines französischen TGV-Schnellzugs seit seiner Inbetriebnahme 1981 sind am Samstag nahe Straß...

Straßburg (APA/AFP) - Beim schwersten Unglück eines französischen TGV-Schnellzugs seit seiner Inbetriebnahme 1981 sind am Samstag nahe Straßburg mindestens zehn Menschen ums Leben gekommen. Der Zug entgleiste bei Eckwersheim im Elsass, als er bei einer Testfahrt mit 350 km/h unterwegs war. In dem Unglückszug befanden sich entgegen den Bestimmungen offenbar mehrere Kinder.

Mit dem silberschwarzen Unglückszug waren nach offiziellen Angaben 49 Techniker und Bahnmitarbeiter auf einer Testfahrt unterwegs. Der Zug sei „wegen überhöhter Geschwindigkeit entgleist“, sagte der Kabinettschef der Präfektur Elsass, Dominique-Nicolas Jane. Aus Ermittlerkreisen hieß es, das Tempo habe zum Unglückszeitpunkt bei 350 Kilometern pro Stunde gelegen. Die Gewerkschaft Sud Rail sagte, der TGV sei für „Tests bei zu hohem Tempo“ eingesetzt worden. Die Gendarmerie erklärte, die Unglücksursache stehe noch nicht fest. Die staatliche Bahngesellschaft SNCF leitete eine Untersuchung ein.

Das Unglück ereignete sich am Samstag gegen 15.00 Uhr nahe der Gemeinde Eckwersheim unweit der deutschen Grenze. Nach Angaben der Behörden wurden 37 Menschen verletzt, bei zwölf von ihnen handelte es sich um „absolute Notfälle“. Umweltministerin Segolene Royal, die sich zum Unglücksort begab, sprach von fünf Vermissten. Die Sucharbeiten wurden am Sonntag fortgesetzt. Unter einem der umgestürzten Wagen befand sich offenbar eine Kinderleiche, wie Rettungskräfte sagten.

Die Anwesenheit von Kindern in dem Testzug gab Rätsel auf. Die interne Untersuchung werde zeigen, welche „Begleitpersonen“ in dem Zug waren und „unter welchen Umständen es ihnen gestattet wurde einzusteigen“, sagte SNCF-Chef Guillaume Pepy. „So etwas wird von der SNCF nicht hingenommen, ein Testzug ist ein Testzug.“ Ein SNCF-Sprecher bestätigte, dass es unter den Verletzten Kinder gab.

Der Unglückszug bestand aus fünf Waggons, von denen die hinteren unter einer Brücke in den Rhein-Marne-Kanal stürzten. Die Lokomotive lag auf der Böschung. An den Rettungsarbeiten beteiligten sich rund hundert Einsatzkräfte der Gendarmerie, des Zivilschutzes und Taucher. Die SNCF betonte, es gebe keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris vom Freitagabend.

Der Unfall ereignete sich auf dem letzten Abschnitt einer neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke, die Paris mit Straßburg verbindet und auf der derzeit Testfahrten abgehalten werden. Ein großer Teil der Strecke wird schon von Passagierzügen befahren, in Teilen Lothringens und im Elsass müssen die TGVs aber noch auf älteren Gleisen fahren und das Tempo drosseln. Das betrifft auch die TGV-Schnellzüge, die von Paris über Straßburg im internationalen Zugverkehr nach Deutschland fahren.

Das letzte, rund 100 Kilometer lange Teilstück soll im April 2016 für den Personenverkehr freigegeben werden. Die Fahrzeit zwischen Paris und Straßburg verringert sich dann um eine halbe Stunde auf rund eine Stunde und 50 Minuten.

(Wochenendzusammenfassung)