Paris-Terror - Paris nach dem Anschlag: Touristen unter sich

Paris (APA/dpa) - Eine Gruppe asiatischer Frauen lässt sich vor dem Louvre fotografieren. Sie tragen hübsche Kleider, die Frisur sitzt, das ...

Paris (APA/dpa) - Eine Gruppe asiatischer Frauen lässt sich vor dem Louvre fotografieren. Sie tragen hübsche Kleider, die Frisur sitzt, das Lächeln auch. Zwei von ihnen stöckeln zum Absperrgitter. Warum das Museum unbedingt zubleiben müsse, fragen die Japanerinnen etwas verständnislos die drei Polizisten dort. Die Antwort ist vor dem Eingang zu lesen: „Frankreich hat drei Tage Staatstrauer, das Museum bleibt geschlossen.“

Den Japanerinnen bleiben nur die Selfies, die Hunderte von Touristen an diesem Sonntagmorgen vor den grauen Absperrgittern ebenfalls machen. Der Terror von Freitagabend hinterlässt seine Spuren auch im Urlaubsalltag Zehntausender Pariser Touristen.

Eine Familie aus Mannheim zeigt dafür Verständnis. Trotzdem „ist das natürlich doof, dass unsere Reise jetzt so endet“, sagt die Mutter. „Seit über einem Monat war unsere Reise geplant, unser Hotel gebucht.“

Nachdem sie Freitag im Fernsehen von die Ereignisse erfuhren, beschlossen sie nach kurzem Zögern, dennoch wie geplant am Samstag nach Paris zu fahren. „Man sah ja auf den Bildern so viel Polizei und Militär in Paris, da sagten wir uns, dass das so gefährlich dort jetzt nicht mehr sein kann.“ Am Samstag war ihnen die Stadt „nicht geheuer, die Straßen und Metros waren menschenleer“, so der Vater. „Als wir am Arc de Triomphe standen, fühlte sich das sehr gespenstig an. Aber gegen 16.00 Uhr sind alle wieder aus ihren Löchern herausgekommen.“

Die 22-jährige Klaudia bespricht sich mit ihrem Freund, was man jetzt statt des Louvre-Besuchs machen wolle. Mit Nikola ist sie Freitag aus Norwegen gekommen, er wollte Klaudia zu deren Geburtstag mit einem romantischen Wochenende in Paris überraschen.

Aus Sorge riefen die beiden die Botschaft in Norwegen an, doch man habe ihnen geraten, in Paris zu bleiben. „Wir verbringen unsere Tage nun mit Cafe trinken und Spazierengehen“, sagt Klaudia. Ein paar Meter weiter, auf der anderen Seite der Seine, stehen Touristen ratlos vor dem geschlossenen Musee d‘Orsay. Evan und Yunmei aus Mexiko hoffen, dass sich das bis Mittwoch wieder ändert, damit sie bis zu ihrem Rückflug wenigstens etwas Pariser Kultur mitbekommen können. „Bis dahin klappern wir Notre Dame und Sacre Coeur ab“, sagt der 35-jährige Evan.

„Welcome to the Eiffel Tower“, steht auf dem großen Schild unter dem Turm. Doch der ist seit Samstag aus Sicherheits- und Trauergründen geschlossen. Niemand zwischen den Metallgittern, in denen sich sonst Hunderte von Menschen stundenlang gedulden, um auf die berühmteste Sehenswürdigkeit von Paris zu gelangen.

Ein Pärchen aus Bayern steht auf der Aussichtsplattform des Trocadero. Neben ihnen ein Reisekoffer und Taschen. „Eigentlich ist unser Rückflug erst für Montag geplant, aber wir fahren heute Nachmittag schon zurück“, sagt die junge Frau. „Die Geschäfte, die Museen, alles hat zu, für uns ist der Aufenthalt nicht mehr lohnenswert“, ergänzt ihr Partner. „Abends kann man sich ja nicht mehr raustrauen. Wir wollten so schnell wie möglich weg.“

Jetzt stehen die beiden vor dem Eiffelturm und machen noch ein letztes Foto. Patrick aus Greifswald lässt sich nicht einschüchtern, wie er sagt. „Ich fahre mit meinen Kumpels erst morgen wieder zurück, so wie ursprünglich geplant. Angst habe ich nicht“, sagt er. „Die Wahrscheinlichkeit, dass es einen jetzt noch trifft, ist ja eher gering.“ Sein Kumpel pflichtet bei: „Man kann jetzt sicher nicht mit fröhlichen Gesichtern hier herumlaufen, man muss sich die Zeit jetzt so gut es geht vertreiben.“