G-20-Gipfel - Urlaubsort Belek zur Festung ausgebaut

Paris (APA/dpa) - Terror in Paris, Sorgen in Belek: Für den G20-Gipfel hat die türkische Regierung einen kilometerlangen Küstenstreifen abge...

Paris (APA/dpa) - Terror in Paris, Sorgen in Belek: Für den G20-Gipfel hat die türkische Regierung einen kilometerlangen Küstenstreifen abgeriegelt und zur Festung ausgebaut. Sogar Pizza, die in den Hochsicherheitsbereich gebracht wird, wird durchleuchtet.

Die türkischen Polizisten lächeln, sind zuvorkommend und ausgesucht freundlich. So erlebt man sie nicht immer. Bekannt - oder besser berüchtigt - sind sie für ihr rigides Vorgehen gegen regierungskritische Demonstranten. Hier in Belek bei Antalya haben es die Polizisten nicht mit Regierungskritikern zu tun, sie sind zum Schutz des G-20-Gipfels eingesetzt. Dort ist das alles dominierende Thema nach den Anschlägen von Paris der Kampf gegen den Terrorismus. Unbedingt vermieden werden soll, dass das bis Montag andauernde Treffen der Staats- und Regierungschefs selbst zum Angriffsziel wird.

12.000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, rechnerisch kommt auf fast jeden der 13.000 Gipfelteilnehmer ein Schutzmann. In Belek an der türkischen Riviera will Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sein Land - und natürlich sich selbst - vor den Mächtigen der Welt in einem angenehmen Licht präsentieren. Dafür ist der G-20-Gipfel eine einzigartige Chance. Zu Zwischenfällen soll es auf keinen Fall kommen, erst recht nicht zu gewaltsamen.

Die Sicherheitslage in der Türkei hat sich in den vergangenen Monaten deutlich verschlechtert. Das Auswärtige Amt weist Reisende darauf hin, dass landesweit mit „der Möglichkeit von gewaltsamen Auseinandersetzungen und terroristischen Anschlägen zu rechnen“ ist. Belek ist daher zur Festung ausgebaut worden.

Auf dem Meer patrouilliert die Küstenwache, die Behörden haben Hunderte neue Überwachungskameras angebracht. Einen kilometerlangen Küstenabschnitt haben die Türken zur Hochsicherheitszone erklärt und mit Absperrgittern abgeschottet. Die Luxus-Resorts in dem Bereich - die ihre Zimmerpreise vervielfacht haben - sind zu Delegationshotels und Tagungsorten geworden. Touristen sind hier keine mehr.

Wer die Sicherheitszone betreten möchte, muss dafür einen besonderen Ausweis haben und Kontrollen wie am Flughafen passieren. Shuttle-Busse fahren Gipfelteilnehmer über gespenstisch leere Straßen zu den G-20-Hotels. Am Eingang zum Pressezentrum werden sogar Pizzen durchleuchtet, die für die rund 2500 Journalisten bereitgestellt werden. Über den Hochsicherheitsbereich verhängte der Gouverneur der Provinz Antalya ein Demonstrationsverbot.

Das Verbot gilt nicht nur dort, sondern beispielsweise auch für die Umgebung der Straße vom Flughafen in Antalya, auf der die Staats- und Regierungschefs die Demonstranten sehen könnten. Die zentrale Kundgebung von etwa 200 Kritikern der G-20 und Erdogans findet daher am Sonntag im Zentrum von Antalya statt - 25 Kilometer von Belek entfernt. Die Zahl der Polizisten übertrifft die der Demonstranten um ein Vielfaches. Diesmal hält sich die Polizei zurück, sieht man von einigen Festnahmen und dem Einsatz eines Wasserwerfers ab.

Abschlussredner bei der Kundgebung ist der Chef der regierungskritischen Bildungsgewerkschaft Egitim-Sen in Antalya, Kadir Öztürk. Angesichts der gigantischen Zahl der Sicherheitskräfte, die in der Region während des Gipfels eingesetzt werden, spricht der Gewerkschafter schon vor der Kundgebung von einem „Ausnahmezustand“.

„Polizisten wohin man nur sieht, alle 50 Meter ein Polizist. Ohne Erlaubnis kann dort nicht einmal ein Vogel fliegen. Jeder gilt als verdächtig“, sagt Öztürk. „Am 10. Oktober in Ankara war das anders.“ Öztürk spielt auf den Anschlag auf eine regierungskritische Friedensdemonstration in der Hauptstadt mit mehr als 100 Toten an. Damals wurde der Regierung vorgeworfen, nicht für die Sicherheit der Demonstranten gesorgt zu haben - und den schwersten Anschlag seit Gründung der Republik nicht verhindert zu haben.