Paris-Terror - Tourist: „Die Sonne mildert die Wunden“

Paris (APA) - Zwei Tage nach den Terror-Anschlägen in Paris bleiben am Sonntag in der französischen Hauptstadt weiterhin zahlreiche Sehenswü...

Paris (APA) - Zwei Tage nach den Terror-Anschlägen in Paris bleiben am Sonntag in der französischen Hauptstadt weiterhin zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Museen geschlossen. Wo normalerweise tausende Touristen flanieren, spazieren deutlich wenige Besucher durch die Stadt. „Die Sonne mildert die Wunden“, sagt Sirus am Platz unter dem Eiffelturm.

„Bei Regenwetter würde die Stimmung sicher ganz anders sein“, meint der junge Nürnberger. Er ist gemeinsam mit Freunden seit Freitagabend in der Stadt. Auch das Wahrzeichen Paris, der Eiffelturm, bleibt am Sonntag weiter zu. In jedem der vier mächtigen Stützpfeiler des Tums befinden sich die Zugänge. „Eiffelturm geschlossen“ steht am Sonntag auf den dortigen Anzeigetafeln. Über den Platz patrouillieren sowohl aufmerksame Polizisten als auch bewaffnete Soldaten, in der danebengelegenen Grünanlage Champ de Mars sind ist die Polizei auf Pferden unterwegs.

„Die Präsenz der Polizei gibt ein bisschen Sicherheit. Ich vertraue den französischen Sicherheitskräften“, sagt die Nürnbergerin Silke. Ihre Freunde nicken zustimmend. „Wir waren gestern Abend essen, sind in ein paar dunkle Gassen gegangen, da zuckt man schon zusammen wenn jemand dunkel gekleidet entgegenkommt“, erzählt die junge Frau. „Untertags waren wir im Hotel. Wir haben kleine Kinder daheim, da möchte man schon wieder heil zurückkommen“, sagt sie.

Immer wieder sind an diesem Sonntag in der Stadt Einsatzkräfte mit Folgetonhorn zu hören. Erklingt irgendwo eine Sirene, blicken sich viele Menschen aufgeregt und teilweise auch erschrocken um. „Man reagiert auch unbewusst, wenn es wo knallt, steht man Habt Acht“, sagt Silke. „Im Hotel, im Restaurant, überall haben sie uns gesagt, dass wir normal weitermachen sollen. Uns nicht vom Terrorismus verunsichern lassen. Sonst haben sie gewonnen“, erzählt Silke.

Noch weniger Touristen als rund um den Eiffelturm flanieren am Sonntagnachmittag im Bereich des Louvre. Das Museum im Zentrum von Paris bleibt geschlossen. Der Bereich um die gläserne Eingangspyramide ist weitläufig von der Polizei abgeriegelt. Die gebürtige Schweizerin Nicole lebt seit zehn Jahren in Paris, sie arbeitet als Tourguide und ist mit einer Gruppe Touristen unterwegs. „Normalerweise ist der Platz hier vor dem Louvre voll. Für einen Sonntag mit diesem Wetter ist es sehr ruhig“, sagt Nicole.

„Wir sind alle geschockt. Gestern sind unsere Telefone heiß gelaufen“, schildert sie. Touren für Touristen seien am Samstag so gut wie alle annulliert worden. Ihre Besucher hatten Karten für die Oper, auch sie blieb am Samstagabend geschlossen.

„Heute wollte und musste ich raus, die Stimmung der Stadt spüren“, sagt die Schweizerin. „Es herrscht eine sehr große Betroffenheit. Oft hat man aber auch Blickkontakt mit Menschen, die man nicht kennt. Man sieht sich an, spricht ohne Worte. Es ist eine Solidarität da. Das ist mir gestern schon aufgefallen, als ich kurz einkaufen war“, erzählt Nicole.