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Engel, Kerzen und ein Geständnis nach dem Fund acht toter Babys

Auf der Fensterbank des Hauses wurden Blumen, Kerzen und Porzellan-Engel niedergelegt.
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Blumen, Kerzen und kleine Porzellan-Engel haben Menschen an dem Haus abgestellt, in dem sich über Jahre hinweg grausige Verbrechen abgespielt haben sollen. Nach dem Fund von mindestens acht Babyleichen herrscht Trauer in dem Städtchen Wallenfels.

Von Kathrin Zeilmann, dpa

Wallenfels – Nur auf den ersten Blick ist es ein ganz normales Wochenende im Städtchen Wallenfels in Oberfranken. Am Samstag erledigen die Menschen beim Bäcker, beim Metzger und im Supermarkt ihre Wochenendeinkäufe. Am Sonntag gehen sie in die Kirche. Das gehört noch dazu im ländlichen Frankenwald.

Auf der Fensterbank eines Hauses im Ortskern jedoch brennen Kerzen. Blumen sind dort platziert, Plüschtiere und Engel aus Porzellan. Es sind kleine Zeichen der Trauer für eine große Tragödie, die sich hinter den Mauern des Hauses abgespielt hat – über Jahre hinweg. Die Polizei hat hier mindestens acht tote Babys gefunden.

Mutter legte Geständnis ab

Der schlimme Verdacht, der von Anfang an mitschwingt, wird am Samstag Gewissheit:Die Mutter der Kinder legt ein Geständnis ab. Sie räumt ein, einige Kinder lebend geboren und getötet zu haben. Etwa 24 Stunden nach dem Start des Polizeieinsatzes in ihrem früheren Wohnhaus war sie gefasst worden. Nun sitzt sie in Untersuchungshaft – wegen Verdachts des mehrfachen Mordes. Details gibt die Polizei noch nicht bekannt. Es bleiben viele Fragen:Wie konnte die Frau ihre Schwangerschaften vor der Öffentlichkeit verbergen? Wer ist der Vater der Kinder?Was wusste er?

„Das ist immer noch nicht zu fassen“, sagt am Samstag eine ältere Frau, schüttelt den Kopf und eilt schnell weiter. Leichter Regen fällt, es weht ein kalter Wind. Dieser Fassungslosigkeit, dem Entsetzen, der Trauer, aber auch der Wut der Menschen will die Kirche einen Raum geben. In der katholischen Kirche St. Thomas ist eine Wand aufgestellt worden. Die Menschen können hier Zettel hinhängen, auf die sie ihre Fragen schreiben, ihre Gebete, ihre Gefühle. „Jeder kann hier seine Gedanken zum Ausdruck bringen“, sagt Pater Jan Poja, der katholische Pfarrer des Ortes.

Am Sonntag ist Volkstrauertag. Kirche, Vereine und Kommune veranstalten dann traditionell eine Gedenkzeremonie. Für Bürgermeister Jens Korn (CSU)war klar, dass er den schrecklichen Fund in seiner Ansprache nicht einfach ausklammern kann: Erst seien die Menschen im Ort durch die toten Säuglinge aufgewühlt worden, dann sei es in Paris zu den schrecklichen Terrorakten gekommen. „Viele haben das Gefühl, ihre Welt ist völlig aus den Fugen geraten“, sagt er. Er hoffe dennoch, dass durch all die Trauer in Wallenfels auch etwas Positives entstehe: „Dass wir noch enger zusammenrücken und dass wir noch mehr aufeinander achtgeben.“

Gerüchte wabern durch den Ort über das Paar, das jahrelang in dem Haus gelebt hatte – und sowohl gemeinsame Kinder hatte als auch Kinder aus früheren Beziehungen. Laut Polizei war die 45-Jährige bei ihrer Festnahme in Begleitung ihres neuen Partners.

„Es war eine ganz normale Familie“

Die Ermittler sind inzwischen abgezogen aus der Kleinstadt im Frankenwald. In Wallenfels bleibt die Trauer. Und die Ratlosigkeit darüber, wie so etwas passieren konnte. „Es war eine ganz normale Familie“, sagt Bürgermeister Korn. „Es gab nichts, was auf diese Tragödie hätte hinweisen können.“

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