Tirol

Tourengeher auf der Skipiste: Kunde oder Geisterfahrer?

Trotz Verbot sind in der Schlick Tourengeher auf der Piste unterwegs – am linken und rechten Rand.
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Schmale Pisten, wenig Schnee, viele Skifahrer: Schlick und Mutterer Alm haben ihre Pisten für Tourengeher vorübergehend gesperrt, die rechtliche Lage ist nicht eindeutig. Ein generelles Verbot ist noch kein Thema.

Von Denise Daum

Fulpmes, Mutters, Seefeld, Axams –Die paar weißen Flocken, die in den vergangenen Tagen vom Himmel gefallen sind, waren nur für die Optik: Nach wie vor sind die Pisten und vor allem die Talabfahrten in den Skigebieten ein schmaler Streifen aus Kunstschnee. Zum Skitourengehen abseits der Piste reicht das bisschen Naturschnee schon gar nicht. Trotzdem wollen zahlreiche Wintersportler ohne Seilbahn den Berg erklimmen und weichen auf die präparierten Pisten aus. Nicht überall sind sie aber willkommen.

In der Schlick 2000 in Fulpmes macht ein Aushang an der Talstation darauf aufmerksam, dass „alle Pisten für Pistentourengeher gesperrt sind“. Diese Regelung gelte voraussichtlich bis 10. Jänner. Eine Sicherheitsmaßnahme, wie Julia Richter von der Schlick erklärt: „Das Risiko ist aufgrund der geringen Pistenfläche und des hohen Skifahreraufkommens derzeit zu hoch.“ Nicht wenige Sportler zeigen sich von dem Verbot unbeeindruckt. Die würden von den Bergbahnenmitarbeiter aufgeklärt werden. „Verhaften werden wir niemanden“, sagt Richter.

Auf der Mutterer Alm sind aktuell alle Pisten von 9 bis 16 Uhr für Pistentourengeher gesperrt. Von 16 bis 22 Uhr können die Pisten montags bis freitags begangen werden. „Wir haben über 500 Kinder und 6500 Talfahrer pro Tag, da wird es einfach brandgefährlich. Ein Skitourengeher auf der Piste ist nichts anderes als ein Geisterfahrer“, erklärt Geschäftsführer Werner Millinger. Nicht alle würden sich an die Sperre halten. „Aufgrund der gesetzlichen Lage haben wir aber leider keine Möglichkeit, das Verbot durchzusetzen oder eine Missachtung zu exekutieren“, so der Bergbahnenchef. Das Skitourenverbot gilt auch für Freizeit­ticketbesitzer. „Es geht uns ja nicht darum, wer zahlt, sondern um die Sicherheit“, betont Millinger. Dass die Piste am Abend von den Tourengehern benutzt werden kann, sei eine reine Serviceleistung. „Wir haben nichts davon.“

Bei den Bergbahnen Rosshütte in Seefeld sind Skitourengeher hingegen willkommen. „Wir haben die Tourengeher in unserem Businesskonzept als Kunden – als gute Kunden“, erklärt Bürgermeister und Geschäftsführer Werner Frießer. Wirtschaftlich ist das leicht zu erklären: Die Bergbahnen betreiben auch die Gastronomie. Das Miteinander funktioniere sehr gut. In den vergangenen sechs Jahren habe es lediglich einen – minderschweren – Unfall mit Skifahrer und Tourengeher gegeben. Dass die Bergbahnen das Pistengehen aber grundsätzlich verbieten könnten, glaubt Frießer schon: „Streng genommen handelt es sich um eine Besitzstörung.“

Alpenvereinspräsident Andreas Ermacora weiß als Jurist, dass diese Frage rechtlich nicht eindeutig geklärt ist. „Das wurde noch nicht ausjudiziert. Bislang konnte man sich immer über Vereinbarungen einigen.“ Als Alpenvereinspräsident appelliert Ermacora an die Skitourengeher, sich an bestehende Anweisungen der Liftbetreiber zu halten. Der Schneemangel sorge derzeit einfach für eine Ausnahmesituation.

Einen Präzedenzfall will von den kontaktierten Skigebietsverantwortlichen jedenfalls keiner schaffen. „Der Trend geht nun mal dahin, dass die Leute sowohl Ski fahren als auch Touren gehen“, erklärt Reinhard Wieser von der Axamer Lizum. „Bei uns hat beides Platz. Wichtig ist, dass sich die Tourengeher auch was sagen lassen und ihnen bewusst ist, dass sie auf Kunstschnee unterwegs sind, den wir produziert haben.“ Von einem Verbot will auch Wieser nichts wissen.