Konflikt Riad-Teheran: Kalmierenden Worten folgten konkrete Taten

Riad/Teheran/Wien (APA) - Als Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) Ende November Saudi-Arabien besuchte, gab sich sein Amtskollege Adel Al-Jub...

Riad/Teheran/Wien (APA) - Als Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) Ende November Saudi-Arabien besuchte, gab sich sein Amtskollege Adel Al-Jubeir für eine diplomatische Annäherung an den regionalen Erzfeind Iran noch offen. Riad habe Teheran mehrmals bilaterale Gespräche angeboten, doch seien diese Einladungen nicht angenommen worden, sagte er zu Journalisten. Seit Sonntag haben sich die Fronten aber deutlich verhärtet.

Da brach das wahhabitisch dominierte Königreich die diplomatischen Beziehungen zum Iran ab. Der Wahhabismus, eine puritanische Interpretation des sunnitischen Islam, ist in Saudi-Arabien Staatsreligion. Die Golfmonarchie fühlt sich als Schutzmacht der Sunniten. Der Iran wiederum sieht sich als Interessenvertreter der Schiiten. Dass die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien im Iran hohe Wellen schlagen wird, war daher absehbar.

Das angespannte Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien wurde in den vergangenen Jahren auch im Syrien-Konflikt deutlich. Saudi-Arabien gehört zwar zu den Verbündeten der USA im Kampf gegen den „Islamischen Staat“ (IS/ISIS oder „Daesh“) in Syrien und im Irak. Jedoch hat die Golfmonarchie selbst zumindest indirekt über Jahre die Jihadistenmiliz gefördert.

Außenminister Al-Jubeir wies beim Besuch von Kurz im November 2015 Vorwürfe einer direkten Einflussnahme vehement zurück, doch ist es ein offenes Geheimnis, dass streng religiöse sunnitische Kreise in Saudi-Arabien verschiedene jihadistische Gruppierungen unterstützten, weil sie den Sturz des vom Iran unterstützten Langzeitmachthabers Bashar al-Assad herbeiführen wollten. So waren auch Gelder, Waffen und anderes Kriegsmaterial, das die Saudis zur Bekämpfung von Assad organisierten, in die Hände der IS-Terroristen geraten.

Außenminister Kurz kontaktierte am gestrigen Sonntag sowohl Al-Jubeir als auch den iranischen Außenminister Mohammad Javad Zarif, um eine „Wiederaufnahme des Dialogs“ zu fordern. Die beiden Regionalmächte seien insbesondere für eine Lösung im Syrien-Konflikt notwendig, argumentierte Kurz. Beide Außenminister hätten versichert, „dass niemand ein Interesse an einer weiteren Eskalation haben kann“, berichtete danach ein Sprecher von Kurz. Den kalmierenden Worten folgten freilich konkrete Taten: Ein paar Stunden später wurden die diplomatischen Beziehungen gekappt ...