Deutschland

Tod einer Elfjährigen: Bayerische Polizei ermittelt auf Hochtouren

Trauer in Unterschleichach: Einwohner legten Blumen und Kerzen an dem Ort nieder, an dem die Elfjährige ums Leben kam.
© APA/dpa/News5/Herse

In der Silvesternacht brach ein Mädchen plötzlich bewusstlos zusammen. Wie sich herausstellte, traf sie ein Geschoss am Kopf. Eine Sonderkommission wurde gegründet.

Schweinfurt – Auch vier Tage nach dem tragischen Tod einer Elfjährigen steht die Kriminalpolizei Schweinfurt vor einem Rätsel. Das Mädchen war gegen 1 Uhr von einem Kleinkalibergeschoss getroffen worden. Woher der Schuss kam und wer ihn abgefeuert hat, liegt noch völlig im Dunkeln.

Die Elfjährige hatte mit einer befreundeten Familie in dem 300-Seelen-Ort Unterschleichach, einem Ortsteil von Oberaurach, Silvester gefeiert. Gegen Mitternacht trafen sich mehrere Kinder und Erwachsene auf der Straße. Gemeinsam schauten sie sich das Feuerwerk an. Rund eine Stunde später brach das Mädchen plötzlich bewusstlos zusammen. Rettung und Ärzte in der Schweinfurter Klinik kämpften um das Leben des Kindes – doch vergeblich: Am Neujahrsmorgen erlag die Elfjährige ihren schweren Kopfverletzungen.

Wie sich bei der Obduktion herausstellte, war sie von einem „metallischen Gegenstand“ getroffen worden. Eine genauere Analyse durch Gutachter des Landeskriminalamts am Samstag ergab, dass es sich dabei um ein Projektil aus einer Kleinkaliberwaffe gehandelt hat.

Tatablauf liegt noch völlig im Dunkeln

Doch woher war der Schuss gekommen? Auch am Montag hatte die Polizei darauf noch keine Antwort. „Ob es ein Querschläger gewesen sein könnte, ist offen. Da können wir noch nichts Belastbares sagen“, erklärte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Unterfranken am Montag. Aber auch einen gezielten Schuss auf das Mädchen konnten und wollten die Ermittler nicht ausschließen. Der Bamberger Oberstaatsanwalt Christopher Rosenbusch sagte der Zeitung Bild am Sonntag: „Wir gehen von einem Tötungsdelikt aus.“

Noch am Neujahrstag begann die Polizei damit, Nachbarn zu befragen. Der Tatort wurde akribisch durchkämmt und auch mit Metalldetektoren abgesucht. Am Sonntag wurde dann eine Sonderkommission der Kripo eingerichtet. 50 Beamte der SOKO „Unterschleichach“ versuchen nun herauszufinden, was sich in der Silvesternacht in der Straße abgespielt hat. Unterstützt werden sie dabei von zwei Gutachtern des LKA. Sie sollen unter anderem anhand der Wunde die Richtung bestimmen, aus der der tödliche Schuss kam.

Überprüfung von Waffenbesitzkarten und Hinweisen

Wie die Polizei in einer Aussendung am Montag mitteilte, werden weiter zahlreiche Vernehmungen durchgeführt. „Wir überprüfen die Menschen in der näheren Umgebung, die eine Waffenbesitzkarte haben“, sagte der Sprecher. Eine Waffenbesitzkarte muss jeder haben, der eine Waffe daheim hat. Wer sie in der Öffentlichkeit führen will, braucht einen Waffenschein. Schließlich gehen die Ermittler auch den Hinweisen aus der Bevölkerung nach, die seit Samstag eingegangen sind.

Oberaurach stand auch zwei Tage nach der Tragödie unter Schock: „Es ist entsetzlich, was da passiert ist“, sagte der zweite Bürgermeister Hans Albert am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Wer schießt mit so einer Waffe bei so einer Veranstaltung?“ Die Stimmung im Ort sei sehr traurig. (TT.com, smo, dpa)