Mieming liegt bei Öffis nächtens abseits
Jugendliche organisieren immer kurzfristiger ihre Freizeitaktivitäten. Spätabends ist die Mobilität am Mieminger Plateau eingeschränkt.
Von Thomas Ploder
Imst, Zirl –Theresa S., Laura A., Tobias H. und Lukas P. gehören zu einer rund 15-köpfigen Gruppe von Jugendlichen zwischen 16 und 21 aus der Region zwischen Zirl und Imst. Zumeist werden gemeinsame Aktivitäten via Smartphone spontan abgestimmt. Diese geradezu als grenzenlos empfundene Flexibilität bezeichnet der Nachwuchs als wertvollen, selbstbestimmt nutzbaren Freiraum, als unverzichtbaren Gegenpol zu Elternhaus, Schule und Berufswelt. „Wenn man für einzelne Events Karten vorbestellen oder andere Vorbereitungen treffen muss“, ergänzt Lukas P., „dann planen natürlich auch wir voraus.“ Ein Blick hinter die Kulissen zeigt in der Realität nur wenige markante Unterschiede zum Freizeitverhalten früherer Generationen. Man trifft sich zuhause oder in „angesagten“ Lokalen, besucht Veranstaltungen mit Musik und Tanz, geht ins Kino, zu Sportveranstaltungen oder zu „Big Events“, wie dem Electric Mountain Festival in Sölden.
In diesem Zusammenhang setzt die Altersgruppe der „nicht mehr Kind im Elternhaus“ und „noch nicht Eltern im eigenen Haushalt“ den seit Jahrzehnten deutlich steigenden Trend zu mehr Mobilität fort. „Dabei muss man allerdings deutlich zwischen Aktivitäten während des Tages bis zum frühen Abend und jenen am späteren Abend und in der Nacht unterscheiden“, betont Tobias H., „Schüler und Lehrlinge können für 96 Euro ein Jahr lang die Bus und Bahn tirolweit und die Busse in Innsbruck und Telfs benutzen, der letzte Zug nach Innsbruck fährt allerdings in Ötztal-Bahnhof etwa um 21 Uhr ab, von Innsbruck ins Oberland gibt es wenigstens noch einen um 23.30 Uhr.“ Auch die Busverbindungen in die Täler erfüllen in den Augen der Jugend tagsüber die Erwartungen. Lediglich das Mieminger Plateau erweist sich als geradezu unerreichbar.
Ausgehen fokussiert sich auch derzeit deutlich auf die Nächte nach Freitag und Samstag. Die fehlenden Spätverbindungen vermissen allerdings nicht nur die Jugendlichen. „Wenn man mit Kollegen im Auto mitfahren kann, ist das natürlich ideal“, beschreibt Laura A., „meistens bitten wir die Eltern, dass sie uns abholen oder wir können bei jemandem übernachten, der in der Nähe wohnt.“ Zwar erweisen sich auch die Taxi-Kleinbusse bei mehreren Fahrgästen als kostengünstige Alternative, diese Kosten will die Jugend jedoch bestmöglich vermeiden. „Natürlich gibt es erhebliche Schwankungen“, erklärt Lukas P., „aber im Jahresschnitt braucht man an einem Abend für Essen, Trinken etwa 30 Euro, bei Veranstaltungen mit Eintritt reichen oft 40 bis 50 Euro kaum.“ Viel Geld, das eine entsprechende Selektion erfordert.
Jugendzentren erweisen sich als willkommene Ergänzung, als echte Alternative empfinden sie jedoch nur wenige. Als Events mit gutem Ruf und zahlreichem Besuch gelten auch in der heurigen Ballsaison im Bezirk Imst die bekannten Dauerbrenner wie der Jungbauernball Rietz oder der Maskenball in Haiming und andere mehr. (tp)
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