„Müssen die Bürger vor Ort mitnehmen und einbinden“
Innsbrucks erster Stadtrat für Flüchtlingswesen, Franz Gruber (VP), über Herausforderungen und ein Maßnahmenpaket für die Stadt.
Von Manfred Mitterwachauer
Innsbruck – Seit Dezember ist die ÖVP Teil der Innsbrucker Viererkoalition. Seitdem ist Stadtrat Franz Gruber für das Flüchtlingswesen in der Stadt zuständig. Ein Ressort, das es in dieser Form noch nie gab und der anhaltenden, weil noch immer ungelösten Flüchtlingsproblematik geschuldet ist. Ein Ressort, das fordert. Weil nicht nur die Quartiersuche, sondern auch die damit verbundenen Fragen in der Bevölkerung nach dem Warum und Wieso täglich von Neuem beginnen. Er habe sich diese Aufgabe freiwillig ausgesucht, sagt Gruber im TT-Gespräch: „Weil ich es für eine der größten Herausforderungen der Zukunft halte.“
Gruber hält in dieser Frage weder Träumereien noch Panikmache für angebracht. Weil die Kommunen die geopolitische Lage nicht ändern können – sehr wohl aber für deren Auswirkungen „Antworten und Lösungen vor Ort finden müssen“. Hier sei daher Pragmatismus im Sinne von Management-Aufgaben gefragt. In erster Linie bei der Quartiersuche. Traglufthalle, Glockenhof-Areal und mehr – Innsbruck leiste seinen Beitrag, sagt Gruber. Auch, um eine Quote zu erfüllen, wenngleich er die Obergrenzen-Debatte für eine akademische hält: „Die Grenzen sind da, wo das soziale System an seine Grenzen stößt.“
Umso mehr müsse man aber auch die Bürger vor Ort „mitnehmen“ und einbinden. Auch an die Adresse der Tiroler Sozialen Dienste gerichtet: Verbessert werden müssten laut Gruber Kommunikation, Betreuung und Konzept im Umgang mit Flüchtlingen. Genauso brauche es aber auch einen „Aktionsplan Integration“. Denn Integration sei nur über Sprache und Anerkennung europäischer Werte möglich: „Und das wird eine Gesamtanstrengung für die Gesellschaft werden.“ Gerade hier wolle er mit Integrations-StR Gerhard Fritz (Grüne) verstärkt zusammen- und ein Maßnahmenpaket erarbeiten.
Gruber ist aber auch noch für den Tourismus sowie Land- und Forstwirtschaft in Innsbruck zuständig. Basierend auf dem noch laufenden Entwicklungsprozess Glungezer-Patscherkofel sieht Gruber gerade für das südöstliche Mittelgebirge im Sinne eines künftigen Gesundheitstourismus Chancen: „Das, was es jetzt braucht, sind Entscheidungen.“ Deshalb steht Gruber auch weiter zu einer Tourismusdestination Igls, auch wenn er diese nicht im Schwerpunkt Skifahren sieht.
Mehr gefordert sei die Stadt im Kongresswesen, meint Gruber: „Es ist auch Aufgabe der Kommune, die Vorzüge der Kongress-Destination Innsbruck noch besser zu transportieren.“ Beim klassischen, aber gut funktionierenden Städtetourismus seien die Bustouristen wieder im Kommen – und selbige bräuchten auch „einen Parkplatz“, ist Gruber hier nicht mit jeder Haltung der Grünen einverstanden. Nutzungskonflikte zu verringern – das müsse hingegen das Ziel im Bereich Land- und Forstwirtschaft sein.
Kommentare