Theaterjahr 2016 zwischen Handke, Jelinek und Houellebecq
Wien (APA) - Uraufführungen von Peter Handke und Elfriede Jelinek, zahlreiche aktuelle Stücke zu Terrorismus und Flüchtlingsproblematik, neu...
Wien (APA) - Uraufführungen von Peter Handke und Elfriede Jelinek, zahlreiche aktuelle Stücke zu Terrorismus und Flüchtlingsproblematik, neue Inszenierungen von Regie-Größen wie Andrea Breth, Frank Castorf und Christoph Marthaler, oder eine TV-Serien-Adaptierung von Nicolas Stemann - das Theaterjahr 2016 birgt schon in den kommenden Monaten viel Potenzial.
Am Burgtheater gibt es eine Wiederbegegnung mit zwei Regie-Titanen. Am Akademietheater inszeniert Andrea Breth das fast 50 Jahre alte Stück „Diese Geschichte von Ihnen“ von John Hopkins mit Nicholas Ofczarek als Prügel-Polizist und Andrea Clausen, Roland Koch und August Diehl in weiteren Rollen (Premiere: 28. Jänner), an der Burg feiert Claus Peymann ein Comeback: Mit „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“ inszeniert der ehemalige Intendant seine fünfte Handke-Uraufführung am Burgtheater (Premiere: 27. Februar).
Mit Uraufführungen warten auch das Theater in der Josefstadt und das Wiener Volkstheater auf: „Totes Gebirge“ heißt ein Stück über die österreichische Seele, die - laut dem oberösterreichischen Dramatiker Thomas Arzt - „kein weites Land mehr ist“. Stephanie Mohr bringt es am 21. Jänner in der Josefstadt heraus. Zwei Tage später widmet sich der Bregenzer Philipp Preuss in seiner ersten großen Inszenierung in Österreich am Volkstheater William Shakespeares „Romeo und Julia“. Uraufführungen kommen dort von Pia Hierzegger („Die Fleischhauer von Wien“, 26.2. im Volx/Margareten), Anja Salomonowitz („Der Junge wird beschnitten“, 3.4., Volx/Margareten), Ibrahim Amir („Homohalal“, 22.4.) und Thomas Glavinic („Mugshots“, 29.4., Volx/Margareten). In den Kammerspielen des Salzburger Landestheaters erblickt „Der Trafikant“, der Erfolgsroman von Robert Seethaler, am 30. Jänner erstmals das Licht der Bühnenwelt.
März wird zum Tschechow-Monat: David Bösch bringt „Drei Schwestern“ an der Burg heraus, Viktor Bodo inszeniert „Iwanow“ am Volkstheater (Premiere: 18.3.). Auch Thomas Bernhard hat immer Saison: Am 25. Februar bringt Oliver Reese seine Bühnenfassung des Romans „Auslöschung“ an der Josefstadt heraus, „Der Ignorant und der Wahnsinnige“ steht bei den Salzburger Festspielen auf dem Programm. Gerd Heinz inszeniert Bernhards ehemaliges Skandal-Stück, das durch den „Salzburger Notlicht-Skandal“ für Aufsehen sorgte, im Landestheater (Premiere: 14. August), mit Johanna Wokalek, Christian Grashof und Festspiel-Chef Sven-Eric Bechtolf, in dessen letzter Saison auch Samuel Becketts „Endspiel“ (Regie: Dieter Dorn) und Shakespeares „Der Sturm“ (Regie: Deborah Warner) gezeigt werden.
An der Berliner Volksbühne sind Birgit Minichmayr und Martin Wuttke in Frank Castorfs Inszenierung der Hebbel-Tragödie „Judith“ zu sehen (Premiere: 20. Jänner). Am 18. Februar folgt hier „Hallelujah“, ein „Country & Western-Abend“ des Schweizers Christoph Marthaler. An der Schaubühne bearbeitet Regisseur Nicolas Stemann die erfolgreiche dänische Fernsehserie „Borgen“ rund um eine Premierministerin für das Theater (Premiere: 14. Februar), ehe er sich zum achten Mal einem Stück von Elfriede Jelinek widmet: „Wut“ hat am 14. April an den Münchner Kammerspielen Uraufführung und reagiert auf die islamistischen Anschläge in Europa. „Verstörende Mechanik des Textes ist, dass er auch im Namen des ‚Wir‘s‘, der ‚Gotteskrieger‘, die Stimme erhebt. Er gibt dem Hass auf unsere Zeit Raum und zwingt uns, zuzuhören“, heißt es in der Ankündigung.
Ebenfalls mit den Auswirkungen des Islamismus auf Europa beschäftigt sich der Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, der in den kommenden Monaten einer der großen Renner auf deutschsprachigen Bühnen werden wird: Die deutschsprachige Erstaufführung inszeniert Intendantin Karin Beier am 6. Februar am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Schon zwölf Tage später bringt Ali M. Abdullah den Blick in eine Zukunft, in der Frankreich muslimisch regiert wird, im Werk X zur Österreichischen Erstaufführung. Auch am Staatsschauspiel Dresden (Premiere am 5. März, Regie: Malte C. Lachmann) und am Deutschen Theater Berlin (Premiere am 22. April, Regie: Stephan Kimmig) kommt der Roman auf die Bühne.
Auch in Bregenz beschäftigt man sich mit der Flüchtlingsproblematik: Am Landestheater Vorarlberg hat am 15. Jänner „Medusas Floß“ nach Petra Maria Kraxner Premiere. Da hat das Stadttheater Klagenfurt seine „Nora“-Premiere (7.1., Regie: Mateja Koleznik) ebenso bereits hinter sich wie die kleineren Wiener Bühnen ihr Premieren-Stakkato mit „Tschick“ (12.1. im Theater im Zentrum), den Feiern zum 10. Geburtstag des TAG (13.1.) sowie Schnitzlers „Der grüne Kakadu“ (14.1. im Schauspielhaus). Der Rabenhof bietet am 10. Februar „Sonny Boys“ mit Christoph Grissemann und Dirk Stermann in der Regie von Direktor Thomas Gratzer.
Trotz all‘ dieser Höhepunkte kann das Ziel der Theaterfans für das erste Halbjahr 2016 nur lauten, sich nicht vorzeitig zu verausgaben: Denn am 13. Mai beginnen erst die Wiener Festwochen, die heuer insgesamt 36 Produktionen zeigen. Die neue Schauspielchefin Marina Davydova hat u.a. Jan Fabres 24-Stunden-Theater-Marathon „Mount Olympus“ und Produktionen von Frank Castorf, Falk Richter, Kornel Mundruczo und Simon McBurney eingeladen.
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