„Erheblich“ bezeichnet Lawinengefahr zu „schwammig“
Innsbruck – Weniger Risiko eingehen. Diesen Neujahrsvorsatz fasste Hanno Ulmer mit Blick auf Tirols Skitourengeher. 17 Menschen starben 2015...
Innsbruck –Weniger Risiko eingehen. Diesen Neujahrsvorsatz fasste Hanno Ulmer mit Blick auf Tirols Skitourengeher. 17 Menschen starben 2015 durch Lawinen. „Jeder Tote ist einer zu viel“, sagt Ulmer, Direktor des Departments für Medizinische Statistik an der Med-Uni Innsbruck.
Er plant, zusätzlich zur internationalen Lawinengefahrenskala eine so genannte Schneebrettskala für den Skitourengeher auszuarbeiten. „Momentan hat das noch Ideenstatus. Wir möchten aber bald einen Antrag auf Forschungsförderung dazu einreichen“, so der Wissenschafter. „Unser Institut hat das Know-how, eine Skala zur Vorhersage der Lawinengefahr zu entwickeln. Es wäre ein Forschungsprojekt, es kann auch sein, dass die Daten nichts hergeben.“
Ulmers Begründung für den Vorstoß: Die meisten Lawinenunglücke passieren bei Gefahrenstufe drei der fünfteiligen Skala – bei „erheblicher Gefahr“. „Drei ist mittendrin. Es ist wie bei den Schulnoten. Für Schüler ist die Note drei immer noch gut genug. Rein psychologisch ist das nicht abschreckend“, so Ulmer.
Damit gießt er Öl ins Feuer einer lange geführten Diskussion. Rudi Mair, Chef des Tiroler Lawinenwarndienstes, fordert seit Jahren eine Umbenennung der Stufe drei in „große Gefahr“. „,Erheblich‘ ist ein schwammiger Begriff. Die breite Masse der Tourengeher hat wenig Ahnung. Aber ,große Lawinengefahr‘ kapiert jeder. Das schreckt mehr ab“, ist Mair überzeugt. Es gehe dabei nur um die Änderung der Bezeichnung, nicht um die Definition der Gefahr. „Für Profis würde sich nichts ändern.“
Dem Notenvergleich Ulmers kann Mair nichts abgewinnen: „Die Skala richtet sich schon genau an Sportler im freien Skiraum und im Prinzip gibt es für diese nur vier Stufen.“ Fünf sei bisher nämlich nur ein einziges Mal bei der Lawinenkatastrophe in Galtür 1999 ausgesprochen worden. „Drei ist schon im oberen Gefahrenbereich.“
Doch auch in der Debatte um eine schärfere Bezeichnung ist international keine Einigung in Sicht. „Es sind einige sehr dafür, andere dagegen. Man muss alle überzeugen“, erklärt Mair.
„Klar dagegen“ spricht sich Michael Larcher, Sicherheitsexperte des Alpenvereins, aus. „Der Lawinenwarndienst hätte Besseres zu tun. Das bringt keinen Fortschritt. Ein Bergführer, der bei ,großer Gefahr‘ unterwegs wäre, würde von Vornherein ins Eck der Fahrlässigkeit gestellt.“ (thm)
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