Tirol

Tirols Tourismus setzt auf das Prinzip Hoffnung

Schweizer forscher warnen: Ohne eine Reduktion klimaschädlicher Emissionen werden Ende des Jahrhunderts nur noch Gebiete über 2.500 Meter genügend Naturschnee zum Skifahren haben.
© Angerer Harald

Eine schlechte Buchungslage im Jänner, Grenzkontrollen und Schneemangel trüben die Zwischenbilanz der Touristiker.

Von Nikolaus Paumgartten

Innsbruck – Es hätte eine perfekte Wintersaison werden können – wenn das Wetter mitgespielt hätte. Das heuer auf einen frühen Termin fallende Osterfest hatte bei den Touristikern des Landes jedenfalls große Erwartungen für den Winter geweckt. Eine kompakte Saison wie diesen Winter könne man sich als Touristiker eigentlich nur wünschen, bekräftigt Franz Hörl, Spartenobmann für den Tourismus in der Wirtschaftskammer Tirol. Während allerdings das Geschäft rund um Weihnachten und Neujahr noch durchaus vielversprechend und zufriedenstellend verlaufen sei, macht sich nun in manchen Regionen angesichts des Schneemangels und der Buchungslage Ernüchterung breit. Schließlich hätten ab Dezember die Buchungen für Jänner deutlich nachgelassen, erklärt Hörl.

Während man im Oberland noch von keinem „Jännerloch“ sprechen will, die TT berichtete, sieht Hörl heuer den heimischen Wintertourismus gesamt gesehen genau dort angekommen. „Das Jännerloch, das wir eigentlich nicht erwartet haben, ist nun doch da. Es wird schwierig, das noch im Februar und März wieder aufzuholen“, erklärt Hörl, selbst Liftbetreiber in Gerlos im Zillertal. Vorsichtig optimistisch stimmen ihn die Schneefälle der vergangenen Tage. Es gelte das Prinzip Hoffnung, dass es unterm Strich doch noch eine erfolgreiche Saison werden könnte, meint Hörl.

Dass weiße Pistenbänder inmitten grüner Hänge und Wälder kein rechtes Wintergefühl aufkommen lassen, spüren die Skigebietbetreiber nicht zuletzt bei den Tagesgästen. In den vor allem für die deutschen Tagesgäste interessanten Skiregionen des Unterlands verzeichnen die Verantwortlichen massive Rückgänge im Tageskartenverkauf.

Doch nicht nur die Jänner-Buchungslage und die schlechte Schneesituation drücken auf das Gemüt von Touristikern und Gästen. Auch die An- und Abreise-Situation sorgt bei vielen Urlaubern und Tages-Skigästen für Ärger und Stress. Steht am Anfang eines Skiurlaubs meist ein Stau bei der Anreise in die Tourismusgebiete auf dem Programm, so haben die seitens Deutschland bei Kiefers­felden eingeführten Grenzkontrollen auch die Lage im Rückreiseverkehr deutlich verschärft:

Das Anfang Dezember zwischen Tirol und Bayern vereinbarte Vorgehen, im Bedarfsfall die Kontrollen nicht auf einer Spur durchzuführen, sondern eine zweite zu öffnen, komme immer wieder zur Anwendung, bestätigt Benjamin Fritsche von der Pressestelle der Bundespolizeiinspektion Rosenheim. Normalerweise müssen Autofahrer seit Einführung der Kontrollen bei Kufstein

Kiefersfelden ihre Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer reduzieren und werden auf einer Spur zusammengeführt. Verdächtige Autos winkt die Polizei in weiterer Folge heraus und leitet sie zu einer zeltüberdachten Kontrollstelle. Wird der Stau zu lang, so öffnet die Polizei eine zweite Spur und führt nur noch eine so genannte mobile Fahndung durch, bei der nicht mehr jedes Auto einzeln begutachtet wird. „Wir versuchen jedenfalls, die Beeinträchtigung so gering wie möglich zu halten“, versichert Polizeisprecher Fritsche.

Der Touristiker Franz Hörl hat zu dem für die Urlauber belastenden Prozedere einen eher pragmatischen Zugang: „Ich glaube, ich bin durchaus dafür bekannt, dass ich nicht an mangelndem Selbstbewusstsein leide. Aber diese Dinge spielen sich dann doch auf einer anderen Ebene ab, die wir hier nicht mehr beeinflussen können. So realistisch muss man sein.“