Italien will umweltverschmutzendes Stahlwerk verkaufen
Rom (APA/AFP) - Der italienische Staat will eine der am stärksten umweltverschmutzenden Industrieanlagen Europas verkaufen: das Stahlwerk Il...
Rom (APA/AFP) - Der italienische Staat will eine der am stärksten umweltverschmutzenden Industrieanlagen Europas verkaufen: das Stahlwerk Ilva in Süditalien. Die Regierung veröffentlichte am Dienstag in verschiedenen Zeitungen im In- und Ausland einen Aufruf, Gebote abzugeben. Interessenten müssen sich zwischen dem 10. Jänner und 10. Februar melden.
Laut italienischen Medienberichten haben unter anderem die einheimischen Unternehmen Marcegaglia und Arvedi sowie Duferco aus der Schweiz Interesse. Außerdem soll ArcelorMittal, der größte Stahlproduzent der Welt, ein Auge auf Ilva geworfen haben.
Die Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung, Federica Guidi, hatte am Montag grünes Licht für den Verkauf des Stahlwerks gegeben. Damit ein Kauf zustande kommt, müssen Interessenten zusichern, dass die Stahlproduktion fortgeführt wird, der Großteil der Arbeitsplätze erhalten bleibt und Umweltauflagen eingehalten werden.
Die Regierung in Rom will das Geschäft bis zum 30. Juni unter Dach und Fach bringen. Für die „Übergangsphase“ soll dem verschuldeten Werk ein staatlicher Kredit von 300 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. Die Zeitung „La Repubblica“ berichtete, die Regierung hoffe, dass eine italienische Unternehmensallianz eine Gegenofferte zu dem „absehbaren Gebot“ des französisch-indischen Konzerns ArcelorMittal auf die Beine stellen werde.
Das Werk in der süditalienischen Stadt Tarent hatte zu Hochzeiten geschätzte neun Milliionen Tonnen Stahl im Jahr produziert - das entsprach etwa einem Drittel der italienischen Gesamtproduktion. Doch inzwischen herrscht auf den weltweiten Stahlmärkten ein chronisches Überangebot. Deswegen bezweifelt so mancher Branchenexperte, dass sich tatsächlich ein Käufer für Ilva finden wird.
„Wer will ein Unternehmen haben, das jeden Monat Millionen verliert?“, fragte die Zeitung „La Repubblica“. Auch die sehr strengen Umweltauflagen könnten ein Problem sein, warnte das Blatt.
Das Stahlwerk, in dem rund 14.000 Menschen arbeiten, steht seit 2013 unter besonderer staatlicher Aufsicht. Hintergrund waren Vorwürfe gegen die Eigentümerfamilie Riva, die in Kauf genommen haben soll, dass giftige Emissionen aus der Anlage in die Stadt zogen. Im Oktober wurde ein gerichtliches Mammutverfahren gegen Industriemanager, Politiker und Behördenvertreter eröffnet, die für die heftigen Verschmutzungen aus dem Werk verantwortlich gemacht werden. Die Emissionen werden für mindestens 400 vorzeitige Todesfälle verantwortlich gemacht.
Viele Anwohner wollen trotzdem, dass Ilva weiterbetrieben wird. Die Arbeitslosigkeit in der Gegend ist bereits hoch - falls das Stahlwerk schließt, könnten die Zahlen noch einmal deutlich steigen.
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