Die Antarktis 2 - Tafeleisberge, Pinguine und Robben
Ushuaia (APA) - Für die Landgänge im äußersten Süden gelten genaue Regeln, die strikt einzuhalten sind. Das Expeditionsteam steckt eine Rout...
Ushuaia (APA) - Für die Landgänge im äußersten Süden gelten genaue Regeln, die strikt einzuhalten sind. Das Expeditionsteam steckt eine Route ab, an die sich die Besucher halten müssen, um Flora und Fauna möglichst wenig zu beeinträchtigen. Mindestabstände zu den Tieren sind vorgeschrieben. So gelten beispielsweise für Pinguine fünf Meter, für Seebären 15 Meter.
Freiwillig wird allerdings wohl kaum jemand näher an einen Seebären herangehen. Denn die Männchen dieser Robbenart sind stets auf Streit aus und könnten die Silhouette eines Touristen für einen Rivalen halten, dem sie gern den Harem abknöpfen würden. Ein Blick auf die gelben Zahnreihen genügt, um zu wissen, dass man hier keine Chance hätte. Die Pinguine hingegen nehmen den Besuch der größeren Zweibeiner gelassener. Sie ignorieren sie und watscheln unbeeindruckt weiter auf ihrem Weg.
Auf ihrer Fahrt von Ushuaia in den Süden haben viele Reiseveranstalter auch die zu Großbritannien gehörenden Falklandinseln, die durch den Falklandkrieg 1982 schlagartig weltbekannt wurden, und das ebenfalls britische Südgeorgien im Programm. Stanley, die Hauptstadt der Falklandinseln, vermittelt den Eindruck eines britischen Dorfes. Hier können sich Kreuzfahrtschiffe noch rasch mit frischem Gemüse eindecken. Für sie zieht Tim Miller in seinen Glashäusern unter anderem Paradeiser, Paprika, Salat, Melanzani und verschiedene Kräuter.
Wer erstmals seinen Fuß auf eine der heute nicht mehr bewohnten Inseln Südgeorgiens gesetzt hat, weiß, warum er die lange Anreise und die täglichen, Gourmetmenüs inklusive unvermeidlicher Gewichtszunahme auf sich nimmt. Beim Wandern durch die gewaltige Landschaft, zwischendurch begleitet von den kleinen Damen und Herren im Frack, passiert man unzählige Seeelefantenbabys mit ihren riesigen Augen und wenige Wochen alte Seebären, um dann vor einer Kolonie Königspinguine mit ihren braunen Flauschküken zu stehen. Es ist eines der Erlebnisse, die alljährlich Touristen aus aller Welt in diese an sich unwirtliche Region locken.
Dazu zählen die für das Südpolarmeer charakteristischen Tafeleisberge im Antarktischen Sund. An die 40 Meter hoch bilden sie einen Wald aus - je nach Lichteinfall blau oder gleißend weiß schimmernden - gewaltigen Monolithen und wirken wie eine geheimnisvolle Kultstätte im eisigen Meer, das je nach Gebiet und Wassertiefe seine Farbe von bleiern über tiefblau in verschiedene Grün- und Türkistöne bis hin zu heller Jade wechselt.
Oder der Moment, wenn der Kapitän das Schiff vorsichtig, beinahe lautlos durch eine unwirkliche Landschaft aus Eisbergen und Eisschollen manövriert. So konnte in diesem antarktischen Sommer laut Kapitän Gerke das Weddellmeer erstmals nach zwei Jahren wieder befahren werden. Das Schiff schob sich zwischen den Eisschollen durch und grub sich langsam mehrere Meter ins Packeis. Bei strahlendem Sonnenschein wurden zuerst die Hotel-Crew mit ausreichend Sekt und dann die Passagiere auf die dicke Eisschicht gebracht.
Alte, verlassene Walfängerstationen werden besucht, die längst von den Tieren der Antarktis erobert wurden. Nur Grytviken, den Hauptort Georgiens, müssen sie sich mit ein paar Briten teilen, die dort in den Sommermonaten ein Postamt und ein Museum betreuen. Ihren eigenen Reiz hat auch eine Schlauchbootfahrt im Schneetreiben zwischen Eisschollen und Pinguinen, die sich gleich fliegenden Fischen durch das Wasser katapultieren, oder das Beobachten eines Seeleoparden bei der Pinguinjagd.
Die Begegnungen mit den Tieren und die Eislandschaft mit den gewaltigen Gletschern, die aus dem Meer ragen, beeindrucken auch immer wieder die Crew, die schon auf fast allen Meeren dieser Erde unterwegs war. Diese Tour sei einfach unvergleichlich, auch aus nautischer Sicht, sagt Jenckel. Obwohl oder gerade weil die Antarktis so unberechenbar ist.
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