Thermonukleare Kernschmelze mit verheerender Zerstörungskraft

Hamburg (APA/AFP) - Wasserstoffbomben sind besonders verheerende Nuklearwaffen. Anders als einfache atomare Sprengsätze beziehen sie den Gro...

Hamburg (APA/AFP) - Wasserstoffbomben sind besonders verheerende Nuklearwaffen. Anders als einfache atomare Sprengsätze beziehen sie den Großteil ihrer Zerstörungskraft nicht aus der Spaltung von Uran- oder Plutoniumkernen, sondern aus der Verschmelzung (Fusion) von Kernen des Elements Wasserstoff. Während dieses Prozesses, der auch die Sonne antreibt, werden gigantische Energiemengen frei.

Um die für eine Kernfusion nötigen extremen Temperaturen und Druckverhältnisse zu erzeugen, ist zunächst eine herkömmliche Nuklearexplosion nötig. Wasserstoffbomben sind daher zweistufig aufgebaut, wobei ein normaler Atomsprengsatz als eine Art „Zünder“ für den Fusionsvorgang dient. Bei diesem werden in der Bombe mitgeführte Kerne der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium derartig stark verdichtet, dass sie verschmelzen.

Mit Wasserstoffbomben lassen sich weit stärkere atomare Explosionen erzeugen als mit einstufigen Atombomben, die konstruktionsbedingten Beschränkungen unterliegen. Weil Kernfusionsvorgänge weitaus mehr Energie freisetzen als Kernspaltungsprozesse, können bei gleichen Abmessungen so außerdem stärkere Bomben konstruiert werden. Bomben nach dem Fusionsprinzip gelten deshalb als effizienter.

Der Bau einer Fusionsbombe ist aufgrund ihres äußerst komplexen inneren Aufbaus jedoch erheblich schwieriger als der eines Kernspaltungs-Sprengsatzes und nur mit hohem Forschungs- und Entwicklungsaufwand zu schaffen. Die Staaten, die erst in den vergangenen Jahren in den Kreis der Atommächte aufgestiegen sind, verfügen nach Überzeugung von namhaften Experten aller Wahrscheinlichkeit nach bisher nicht über einsatzfähige Waffen diesen Typs - auch wenn Indien und jetzt Nordkorea dies bisweilen behaupteten.

Einige Waffenfachleute sehen die Ursache für derartige Meldungen in sprachlichen Ungenauigkeiten. So gibt es auch Atomwaffen, bei denen etwas Kernfusionsbrennstoff in Form von Wasserstoff als „Kernspaltungsverstärker“ in den Kern eingebettet wird. Auch derartige Sprengsätze könnten unter Umständen als Wasserstoffbomben bezeichnet werden. Thermonukleare Fusionsbomben sind sie aber nicht.

Die erste zweistufige echte Wasserstoffbombe der Welt wurde von den USA am 1. November 1952 im Pazifik getestet (Operation Ivy Mike), die Sowjetunion folgte im Jahr darauf. Diese Waffen waren aber eher Prototypen, die für Einsätze noch nicht geeignet waren. Militärisch nutzbare Bomben hatten die beiden Supermächte erst etwas später. In Kriegen eingesetzt wurden diese im Gegensatz zu den US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 1945 bisher nie.