Atompolitik

Nordkorea drohen nach neuem Atomtest verschärfte Sanktionen

In New York kam der UN-Sicherheitsrat hinter verschlossenen Türen zusammen.
© AFP/UNITED NATIONS

Eine Wasserstoffbombe? Oder eine geboostete Spaltbombe? Experten rätseln über die Hintergründe des Atombombentests in Nordkorea. Das Regime erntet harsche Kritik. Der Weltsicherheitsrat sucht derweil nach einer passenden Antwort - auch, um das eigene Gesicht zu wahren.

Pjöngjang, New York – Nach der mutmaßlichen Zündung einer Wasserstoffbombe drohen Nordkorea verschärfte Sanktionen durch die internationale Gemeinschaft. Der UN-Sicherheitsrat ziehe „weitere bedeutende Maßnahmen“ in Betracht und verurteile den Test scharf, sagte Elbio Rosselli, derzeit Vorsitzender des Rats, nach einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch. Japan sieht andernfalls die Glaubwürdigkeit des mächtigsten UN-Gremiums in Gefahr.

Nordkorea hatte nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet und damit weltweit Empörung ausgelöst. Atomexperten in Südkorea und anderen Staaten bestätigten nach Erdbebenmessungen einen Kernwaffentest in dem international isolierten Land. Sie bezweifelten aber angesichts der begrenzten Sprengkraft, dass tatsächlich eine Wasserstoffbombe detonierte.

„Bedrohung für die internationale Sicherheit“

Die Aktion verstößt gegen vier bestehende Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. „Daher besteht weiterhin eine klare Bedrohung für die internationale Sicherheit“, sagte Rosselli. „Japan wird um eine neue, schnell anzunehmende und robuste Resolution bitten“, sagte Japans UN-Botschafter Motohide Yoshikawa in New York. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, forderte Nordkorea auf, alle relevanten Resolutionen vollständig umzusetzen.

Seinen ersten Atomtest hatte Nordkorea vor zehn Jahren durchgeführt. Die Diktatur unter Machthaber Kim Jong Un sieht sich von den USA bedroht und stockt ihr Nukleararsenal seit Jahren stetig auf. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits eine Reihe von Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea sowie eine Reihe von Einzelpersonen beschlossen.

Messungen von Erdbebenwarten in der ganzen Welt belegen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea auf seinem Atomtestgelände im Nordosteneinen Nukleartest unternommen hat. Zwischen 2006 und 2013 gab es auf dem Testgelände in Punggye Ri im Kreis Kiljudrei Tests, auf die der Sicherheitsrat jeweils mit neuen Sanktionen antwortete.

Die staatlich kontrollierten Medien jubelten, mit der erfolgreichen Erprobung einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) „in der perfektesten Weise“habe sich die Volksrepublik in die Reihe der Atommächte gestellt, die über eine solche Waffe verfügten.

Zweifel in Südkorea

Südkoreanische Militärexperten halten es aber für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte H-Bombegezündet hat, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte. Die Stärke der Explosion sei dafür zu schwach gewesen. Eine Wasserstoffbombe setzt Energie aus einer Kernverschmelzung frei. Als Zünder enthält sie eine Atombombe.

Auch die USAkamen nach einer ersten Analyse zu anderen Ergebnissen, wie Regierungssprecher Josh Earnest sagte. Man sehe keinen Grund, von einer veränderten Bewaffnung Nordkoreas auszugehen. Washington versicherte Südkorea des gusseisernen Versprechens, das Land gegen den nördlichen Nachbar nötigenfalls militärisch zu verteidigen.

In Brüssel sprach die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini von „einem schweren Verstoß“ gegen Nordkoreas Verpflichtung, „keine Atomwaffen zu produzieren oder zu testen“. Auch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte den Test „auf das Schärfste“: Nordkorea habe sich durch so verantwortungslose Schritte nur noch tiefer ins internationale Abseits gestellt. (APA/dpa/TT.com)