Kufstein

Stau beflügelt Ideen der Politiker

Die Kontrollen auf der Autobahn bei Kiefersfelden bringen viele Pkw-Fahrer dazu, auf die Bundesstraße auszuweichen.
© Mühlanger

In Kufstein sucht man weiter nach einer Strategie, den Verkehrsstau in der Innenstadt zu verhindern. Vom Freikaufen eines Autobahnabschnitts von der Vignettenpflicht bis zur dritten Ausfahrt reichen die Vorschläge.

Von Wolfgang Otter

Kufstein –Eine Umfahrungsstraße, Dosierampel, eine zusätzliche Autobahnausfahrt oder überhaupt den Autobahnabschnitt zwischen der Staatsgrenze und Kufstein Süd von der Asfinag „freikaufen“, sprich die generelle Maut dafür übernehmen? Welcher der Vorschläge bringt für Kufstein die erhoffte Verkehrsentlastung? Diese Frage lässt angesichts des an Wochenenden über Kufstein hereinbrechenden Verkehrschaos die politischen Ideen blühen. Den Vorschlag der generellen Übernahme für den Abschnitt bis Kufstein Süd bringt der Kufsteiner Stadtrat Horst Steiner von der gleichnamigen Bürgerliste ein. Er will, dass die Stadt in Verhandlungen mit der Asfinag tritt und auch das Land Tirol und andere betroffenen Gemeinden in die Kasse greifen. Die Asfinag will diesen Vorschlag nicht kommentieren. Der Vorteil liegt für Steiner aber auf der Hand: Sobald die Autobahn kostenfrei sei, könne man auch den durch die derzeit stattfindenden Grenzkontrollen in die Stadt verdrängten Autofahrer in Richtung Bayern zurück auf die A 12 schicken. Der Kostenpunkt für diese Maßnahme dürfte die Millionengrenze weit überschreiten – und zwar Jahr für Jahr. Für Steiner ist es aber eine rascher umsetzbare Maßnahme als die derzeit diskutierte Nordumfahrung.

Diese wiederum feiern die Freiheitlichen – die den Vorschlag eingebracht haben – als die Lösung. Denn „die Situation wird für die Kufsteiner zunehmend untragbar“, wie Vizebürgermeister Walter Thaler in einer Aussendung betont. Auch für BM Martin Krumschnabel (Parteifreie) wäre eine Umfahrung noch besser als die Kostenübernahme der Autobahnmaut, wie er gegenüber der TT sagt. Aber genauso wie diese Tangente geprüft wird, solle auch die Kostenübernahme für die Maut genauer unter die Lupe genommen werden. „Es geht um ein Problem, das in Wien mit einem Federstrich gelöst werden kann“, verweist der Stadtchef auf die von ihm schon lange geforderte Gesetzesänderung für die Bemautung der Autobahn. Noch eines spricht für ihn gegen die Kostenübernahme: Das Problem des Ausweichverkehrs durch den aus den Grenzkontrollen resultierenden Stau auf der Autobahn würde nicht gelöst. Da wäre die Umfahrung hilfreicher.

Mit einem ganz neuen Vorschlag platzt nun VP-Stadtparteiobmann und Bürgermeisterkandidat NR Hannes Rauch in die Diskussion. Für ihn sollte man untersuchen, was eine dritte Autobahnausfahrt zwischen den Knoten Süd und Nord an Entlastung bringt. Eine Maut-Übernahme sieht er skeptisch. „Da ist die Frage, ob wir mit unserem Steuergeld wirklich die ausländischen Autofahrer subventionieren sollen.“

Rund um die Verkehrslage in der Stadt greift NR Carmen Schimanek (FPÖ) NR Rauch an. „SPÖ und ÖVP haben das Aus für die Vignettenfreiheit beschlossen und unseren Antrag auf Wiedereinführung abgelehnt.“ Laut ihr habe auch Rauch „diese kufsteinfeindliche Politik voll mitgetragen“. Rauch dazu: „Es hat im Plenum nie eine Abstimmung gegeben. Im zuständigen Ausschuss wurde der Antrag vertagt und da habe weder ich noch Josef Lettenbichler einen Sitz.“ Rauch vermutet hinter dem Angriff, „eine Nervosität der Freiheitlichen, weil ich in Kufstein kandidiere“.

Die Freiheitlichen bezweifeln übrigens auch den Nutzen der Dosierampel bei der Stadteinfahrt. Sie fordern einen Gipfel, „um hier eine Lösung im Sinne der Kufsteiner zu finden“.

LHStv.in Ingrid Felipe (Grüne) verweist aber darauf, dass durch die Dosierampel eine Erhöhung des Verkehrsflusses in Kufstein und eine Verlagerung des Ausweichverkehrs zurück auf die Autobahn prognostiziert worden sei. Ein ähnliches Projekt sei im Herbst in Reutte erfolgreich getestet worden – ob dies auch auf Kufstein zutreffe, könne man erst im Frühjahr nach einer Probephase beurteilen. Für neue Straßen kommt aus dem Landhaus eine deutliche Absage: „Mit noch mehr Verkehr ist in Kufstein und in den Nachbargemeinden sicher niemandem geholfen“, erklärt die Mobilitätslandesrätin.