Bürgerkrieg in Syrien

Kinder müssen Gras essen: Syrer in Madaya von Hungertod bedroht

Schockierende Bilder wie dieses werden auf Facebook und Twitter verbreitet. Die Aufnahmen konnten bis jetzt nicht verifiziert werden.
© Twitter

Die Lage in der von syrischen Regierungstruppen belagerten Stadt Madaya hat sich dramatisch zugespitzt. Ohne Hilfe drohen viele der eingeschlossenen Einwohner zu verhungern. Im Netz verbreiten sich schockierende Bilder aus der Stadt nahe Damaskus.

Madaya – Sie stillen ihren Hunger notdürftig mit Blättern und Gräsern. Einige von ihnen haben begonnen, Jagd auf Hunde und Katzen zu machen – sofern es noch welche gibt. Erschreckende Fotos von bis auf das Skelett abgemagerten Kindern geistern durch die sozialen Netzwerke. In Madaya regiert der Hunger.

Seit mehr als 170 Tagen ist die syrische Stadt an der Grenze zum Libanon von Regimetruppen und der libanesischen Hisbollah-Miliz eingekesselt. Etwa 40.000 Menschen leben hier zurzeit, rund die Hälfte von ihnen sind Zivilisten. Die Lage ist äußerst dramatisch. Die Stadt wird wegen der sich dort aufhaltenden Rebellen heftig bombardiert. Hunderte Landminen und meterhohe Stacheldrahtzäune hindern die Menschen an der Flucht.

Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat ihren Sitz in Großbritannien, bezieht ihre Informationen jedoch aus einem dichten Netzwerk an Informanten in Syrien. Sie gilt als gut informiert und zuverlässig.

80 Euro für ein Kilo Reis

Seit Monaten kommen so gut wie keine Lebensmittel mehr in die Stadt, die etwa 40 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Damaskus liegt. Für die wenigen, die es gibt, werden horrende Summen verlangt.

Mahlzeit für zwei: Wasser mit Salz, Kräutern und etwas Zitronensaft.
© Facebook/Wärme für Madaya

Für einen Kilo Zucker oder Reis etwa muss man umgerechnet mehr als 80 Euro bezahlen, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Das Durchschnittseinkommen in Syrien liegt bei knapp 240 Euro Brutto im Monat.

Tausende Menschen in Madaya sind vom Hungertod bedroht. Alleine im Dezember seien 31 Menschen verhungert, berichtet der Sender Al-Jazeera. Andere starben bei der Suche nach Essbarem durch Landminen oder wurden von Scharfschützen erschossen.

1.200 Bewohner sollen zudem an chronischen Erkrankungen leiden, über 500 Kinder an den Folgen von Unterernährung.

Helfer warten auf sicheren Zugang

Lastwagen mit Hilfsgütern zur Ernährung der Stadtbewohner stehen in Damaskus bereit – noch scheitert es allerdings an den Konfliktparteien. „Wir stehen in Syrien mit Hilfsgütern bereit, aber wir brauchen sicheren Zugang zu Madaya“, schildert die für den Nahen Osten zuständige Sprecherin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Dibeh Fakhr, der Deutschen Presse-Agentur.

Zuletzt sei dies Mitarbeitern des Roten Kreuzes sowie des Syrischen Roten Halbmonds im vergangenen Oktober ermöglicht worden, erzählt Fakhr. „Was wir damals gesehen haben, war bereits schlimm.“ Bereits zu dieser Zeit hätten die Menschen keine Nahrungsmittel, kein Trinkwasser und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr gehabt. Seither sind die Menschen in Madaya auf sich gestellt.

Zumindest zeichnete sich am Donnerstag Hilfe für die Menschen in Madaya ab: Syriens Regime stimmte den UN zufolge Lieferungen für die Stadt zu. Die Vorbereitungen liefen, sagte eine Sprecherin. Zu einem Zeitplan machte sie keine Angaben. (ema)