Mörder von Lucile weiter im Visier
Zum zweiten Jahrestag der Ermordung der Studentin setzen die Ermittler ihre Hoffnungen vorerst auf Kommissar Zufall.
Von Thomas Hörmann
Kufstein, Innsbruck – „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Mordfall klären können!“ Genau zwei Jahre nach dem gewaltsamen Tod der französischen Studentin Lucile K. am Kufsteiner Innufer hat Walter Pupp, Chef des Landeskriminalamtes, die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Genährt wird diese Hoffnung vor allem durch eine unvollständige DNA, die mit großer Wahrscheinlichkeit vom Mörder stammt und von Experten der Gerichtsmedizin mit mathematischen Methoden vervollständigt werden konnte. Das Ergebnis der hochgerechneten Erbanlagen wird derzeit mit bereits gespeicherten DNA-Profilen verglichen. „Ein Treffer war aber noch nicht dabei“, sagt Pupp.
Da die sichergestellte DNA unvollständig ist, könnte ein Vergleich auch zu mehreren Treffern führen. Anders ausgedrückt: Eine Übereinstimmung bedeutet noch nicht, dass Lucile K.s Mörder identifiziert ist. „Im Fall eines Treffers müsste das Ergebnis durch weitere Ermittlungen nachgeschärft werden“, ergänzt Pupp.
Die Nachforschungen der französischen Polizei im Umfeld des Opfers sind vorerst abgeschlossen, führten aber zu keinen neuen Erkenntnissen.
Abseits der hypothetischen DNA überprüfen die Ermittler des Landeskriminalamtes, ob es Parallelen zu ähnlichen Gewaltverbrechen gibt. Nicht nur in Österreich, sondern auch im Ausland. Bisher ebenfalls ohne Ergebnis. Dass das „Cold Case“-Team des Bundeskriminalamtes den Fall übernimmt, sei derzeit kein Thema. „Das ist erst der Fall, wenn unseren Ermittlern nichts mehr einfällt“, sagt Pupp.
Der Mord an Lucile K. war von Anfang an ein schwieriger Fall für die Polizei: kein eindeutiges Motiv, kaum Zeugen, selbst die Tatwaffe war zunächst unauffindbar.
Nach einer Vermisstenanzeige der Studienkollegen entdeckten Kufsteiner Polizisten am Vormittag des 12. Jänner 2014 die Leiche der 20-jährigen Französin am Innufer. Wie die Ermittlungen ergaben, wollte die Wirtschaftsstudentin der Kufsteiner Fachhochschule am späten Vorabend noch eine Freundin besuchen. Auf der nur schlecht beleuchteten Innpromenade traf sie kurz vor Mitternacht auf ihren Mörder. Die Französin wurde mit einem stumpfen Gegenstand erschlagen, ergab die Obduktion. Mit dem Stahlrohr eines Wagenhebers, den Taucher Tage nach der Gewalttat aus dem Inn bargen.
Da die Handtasche und das iPhone des Opfers seit der Mordnacht verschwunden sind, kann ein Raubmord nicht ausgeschlossen werden. Aber auch eine Beziehungstat bzw. ein Sexualverbrechen ist für die Ermittler des Landeskriminalamtes denkbar.