Angreifer von Paris identifiziert: Junger Mann aus Marokko
Paris (APA/AFP/dpa/Reuters) - Der am Donnerstag vor einem Pariser Polizeirevier erschossene Angreifer ist identifiziert und war den französi...
Paris (APA/AFP/dpa/Reuters) - Der am Donnerstag vor einem Pariser Polizeirevier erschossene Angreifer ist identifiziert und war den französischen Behörden laut Ermittlern wegen eines Diebstahls bekannt. Der Mann sei 2013 im Süden Frankreichs verurteilt worden, verlautete am Abend aus Ermittlerkreisen in Paris.
Der Abgleich der Fingerabdrücke der Leiche mit der Datenbank habe ergeben, dass es sich um den Dieb handelte, der sich damals als einen 1995 in Marokko geborenen Obdachlosen bezeichnet hatte. Justizministerin Christiane Taubira sagte im Sender iTele, was von ihm bekannt sei, habe keinen Zusammenhang mit Radikalisierung und Gewaltbereitschaft.
Den Ermittlern zufolge soll er aber dem Chef der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS), Abu Bakr al-Baghdadi, die Treue geschworen haben. Dies gehe aus dem bei dem Toten gefundenen Bekennerschreiben mit einer IS-Fahne hervor. Darin habe er seine geplante Tat als Rache für „die Angriffe in Syrien“ bezeichnet. Frankreich fliegt in Syrien im Rahmen der US-geführten Militärkoalition Luftangriffe gegen die IS-Miliz.
Polizisten hatten den jungen Mann am Morgen erschossen, der am Jahrestag des Anschlags auf die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ das Polizeirevier angreifen wollte. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er mit einem Metzgerbeil bewaffnet, trug eine Sprengstoff-Attrappe und schrie „Allahu Akbar“ (Gott ist groß).
Ermittler fanden bei dem Mann eine Abbildung der Flagge der sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Neben einem Mobiltelefon entdeckten sie zudem ein „eindeutiges“ handschriftliches Bekenntnis in arabischer Sprache. Darin soll er sich der IS-Führung verpflichtet und seine Tat mit den französischen Angriff in Syrien begründet haben, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Ermittler meldete.
Zunächst hatte es geheißen, der Angreifer habe möglicherweise einen Sprengstoffgürtel dabei. Nach dem Angriff wurde deshalb die Leiche des Täters auf dem Gehsteig vor dem Kommissariat von einem Roboter untersucht. Der verdächtige Gegenstand stellte sich als eine Attrappe heraus; er bestand aus einer Tasche mit Klebeband, aus der ein Kabel herausragte, wie AFP unter Berufung auf Justizkreise meldete. Sprengstoff wurde nicht gefunden.
Ein Bericht des Nachrichtensenders BFMTV, wonach auf dem Handy des Mannes Nachrichten auf Arabisch und Deutsch gespeichert waren, wurde zunächst nicht bestätigt. Er soll vor Kurzem mehrere europäische Länder besucht haben, darunter Deutschland und Italien.
Der Tatort nahe dem bei Touristen beliebten Viertel Montmartre im Norden der französischen Hauptstadt wurde weiträumig abgesperrt. Viele Geschäfte und Restaurants mussten zwischenzeitlich schließen, auch Metro-Linien wurden unterbrochen.
„In einem Land, in dem das Bedrohungsniveau extrem hoch ist, stehen Polizisten, Gendarmen und Sicherheitskräfte in vorderster Linie“, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Tatort. Auch der für Terrordelikte zuständige Staatsanwalt Francois Molins machte sich ein Bild von der Lage.
Bei den Anschlägen auf „Charlie Hebdo“, eine Polizistin und einen koscheren Supermarkt hatten Islamisten im Jänner 2015 in Paris insgesamt 17 Menschen getötet. In den folgenden Monaten war Frankreich immer wieder das Ziel islamistischer Terroristen. Gewalttätiger Höhepunkt war die Mordserie in Paris und Saint-Denis im November, bei der 130 Menschen getötet wurden. Seitdem gilt in Frankreich der Ausnahmezustand.
In dieser Woche wird mit zahlreichen Gedenkveranstaltungen an die Opfer der Jänner-Anschläge erinnert. Am Donnerstag warb Präsident Francois Hollande vor Vertretern von Polizei, Gendarmerie und Militär erneut für eine Verschärfung der Sicherheitsgesetze. Auch die Leitlinien der Sicherheitskräfte müssten an die terroristische Bedrohung angepasst werden. Informationen sollten besser zwischen den verschiedenen Behörden ausgetauscht werden.
Die Regierung bereitet derzeit ein Gesetz vor, das den Behörden neue Kompetenzen gibt. Zudem sollen die Regelungen für den Ausnahmezustand in die Verfassung aufgenommen werden.
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