Mindestens 57 Tote bei Selbstmordattentaten in Libyen

Tripolis (APA/AFP/Reuters) - Bei zwei Anschlägen in Libyen sind am Donnerstag dutzende Menschen getötet worden. Bei einem Selbstmordattentat...

Tripolis (APA/AFP/Reuters) - Bei zwei Anschlägen in Libyen sind am Donnerstag dutzende Menschen getötet worden. Bei einem Selbstmordattentat vor einer Polizei-Akademie im Nordwesten des Landes wurden nach Behördenangaben mindestens 50 Menschen getötet. Es war der blutigste Anschlag in dem nordafrikanischen Land seit dem Umsturz 2011.

Nahe einem wichtigen Ölhafen riss ein Attentäter zudem sieben Menschen mit in den Tod, wie die Hilfsorganisation Roter Halbmond mitteilte. Vor dem Ausbildungszentrum der Polizei in Zliten jagte der Attentäter nach Behördenangaben am frühen Morgen einen mit Sprengstoff beladenen Lastwagen in die Luft. Einem Augenzeugen zufolge hielten sich zu dem Zeitpunkt etwa 400 Menschen in dem Komplex auf, die meisten von ihnen waren Beamte, die sich auf ihren Einsatz bei der Küstenwache in der 170 Kilometer östlich von Tripolis gelegenen Stadt vorbereiteten. Mediziner hatten zunächst von mehr als 65 Toten gesprochen.

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag, er trug jedoch die Handschrift der Jihadistenorganisation Islamischer Staat (IS), die in Libyen zuletzt ähnliche Attentate verübt hatte.

Später riss ein weiterer Selbstmordattentäter im Norden Libyens sechs Menschen mit in den Tod. Der Fahrer eines Geländewagens habe sich an einem Kontrollpunkt nahe dem Ölhafen in Ras Lanuf in die Luft gesprengt, teilte die Hilfsorganisation Roter Halbmond mit. Unter den Opfern seien drei Wachen und ein 16 Monate altes Baby. Berichten zufolge wurden auch zwei Verwandte des Kindes getötet. Erst am Montag waren IS-Kämpfer auf die Ölterminals in Ras Lanuf und im nahegelegenen Al-Sidra vorgerückt. Die Angriffe wurden aber abgewehrt.

Libyen steckt in einer tiefen Krise und wird seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 von dutzenden bewaffneten Milizen beherrscht. Sie ringen neben den beiden rivalisierenden Regierungen und Parlamenten in Tobruk und in der Hauptstadt Tripolis um die Macht. Außerdem nutzt die IS-Miliz die chaotische Lage, um ihr Einflussgebiet in Libyen auszuweiten.

Die Zahl der IS-Kämpfer in Libyen wird auf rund 3.000 geschätzt. Die Miliz kontrolliert das östliche Sirte und strebt weiter nach Westen. Sie bekämpft die Truppen der beiden rivalisierenden Regierungen.

Die international anerkannte Regierung in Tobruk verurteilte den „feigen Terroranschlag“ in Zliten und forderte die Aufhebung des UN-Waffenembargos, das die Armee daran hindere, die Dschihadisten zu bekämpfen. Das Verteidigungsministerium in Tripolis sprach ebenfalls von einem „feigen“ Anschlag und kündigte an, die Tat zu rächen.

Im Dezember hatten Vertreter der beiden rivalisierenden Regierungen ein von den Vereinten Nationen vermitteltes Abkommen zur Bildung einer gemeinsamen Übergangsregierung unterzeichnet. Außerdem sollen ein neues Parlament gewählt und eine Verfassung verabschiedet werden. Die Pläne sind aber in den konkurrierenden Parlamenten noch umstritten und bisher nicht umgesetzt.

(NEU: Anschlag nahe Ölhafen in Ras Lanuf)


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