BP-Wahl: Die bisherigen Kandidaten der ÖVP

Wien (APA) - Die ÖVP hat bei fast jeder der zwölf Bundespräsidentenwahlen seit 1951 einen eigenen Kandidaten in das Rennen um das höchste Am...

Wien (APA) - Die ÖVP hat bei fast jeder der zwölf Bundespräsidentenwahlen seit 1951 einen eigenen Kandidaten in das Rennen um das höchste Amt im Staat geschickt. Gestellt hat die Volkspartei allerdings nur zwei Bundespräsidenten, das erste Mal erst 1986 mit Kurt Waldheim. Der von der ÖVP nominierte Thomas Klestil hatte das Amt dann ab 1992 für zwei Perioden inne.

Der erste vom Volk gewählte Bundespräsident der Zweiten Republik war Theodor Körner (SPÖ), er setzte sich in der Stichwahl gegen den ÖVP-Kandidaten Heinrich Gleißner durch, der nur 47,94 Prozent der Stimmen erhielt. Der 1984 verstorbene Gleißner galt als eine Symbolfigur des Wiederaufbaus nach 1945; außerdem war er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg und dann von 1945 bis 1971 oberösterreichischer Landeshauptmann.

Gemeinsam mit der FPÖ nominierte die ÖVP Wolfgang Denk beim Urnengang 1957. Trotz blauer Unterstützung unterlag aber auch Denk mit 48,88 Prozent im ersten Wahlgang gegen Adolf Schärf (SPÖ). Deutlicher mit 55,41 Prozent setzte sich Schärf dann auch 1963 gegen den ÖVP-Kandidaten und früheren Bundeskanzler Julius Raab (40,64 Prozent) sowie Josef Kimmel (Europäische Föderative Partei) durch.

Auch Franz Jonas (SPÖ) gelang zweimal ein Wahlsieg gegen die ÖVP, zunächst gegen Alfons Gorbach (49,31 Prozent) im Jahr 1965 und 1971 gegen Kurt Waldheim (47,22 Prozent). Gorbach war nach Julius Raab Obmann der Volkspartei und Bundeskanzler; Waldheim sollte es zu einem späteren Zeitpunkt doch noch gelingen, die Wahl für sich zu entscheiden.

Nur knapp mehr als die Hälfte der Wählerstimmen entfielen 1974 auf den SPÖ-Kandidaten Rudolf Kirchschläger (51,66 Prozent), für die ÖVP kandidierte Alois Lugger. Aufgrund Kirchschlägers Popularität verzichtete die ÖVP bei seinem Wiederantreten 1980 auf eine eigene Kandidatur. Gefordert nur von Kandidaten der FPÖ und der NDP erreichte Kirchschläger dadurch fast 80 Prozent.

Kurt Waldheim gelang es bei seinem zweiten Antreten und im zweiten Wahlgang 1986 das Blatt zu wenden. Trotz heftiger Diskussion über seine Wehrmachts-Vergangenheit setzte er sich gegen SPÖ-Kandidat Kurt Steyrer durch und holte zum ersten Mal für die ÖVP das Bundespräsidentenamt. Waldheim war international isoliert und wurde von der USA auf die Watchlist gesetzt, auf eine Wiederkandidatur verzichtete der umstrittene Präsident.

1992 wurde wieder ein ÖVP-Kandidat Bundespräsident, Thomas Klestil gewann die Stichwahl mit 56,89 Prozent gegen Verkehrsminister Rudolf Streicher (SPÖ) durch. Streicher ging ursprünglich als Favorit in die Wahlauseinandersetzung und erzielte im ersten Wahlgang mit 40,66 Prozent sogar einen höheren Wert als Klestil (37,21 Prozent). Formal unabhängig gewann Klestil auch bei seinem zweiten Antreten 1998 (63,42 Prozent), als die SPÖ auf eine Kandidatur verzichtete.

Die Sozialdemokraten holten sich das höchste Amt 2004 wieder zurück. Heinz Fischer setzte sich dabei gegen die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner durch. Die frühere Außenministerin und spätere EU-Kommissarin erzielte 47,61 Prozent der Wählerstimmen. 2010 trat Fischer erneut an, auch er diesmal formal unabhängig, und erhielt knapp 80 Prozent der Stimmen.

Die ÖVP verzichtete 2010 zum zweiten Mal auf eine eigene Kandidatur. Damals hatte der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll zwar mit einem Antreten kokettiert, dies soll jedoch vom damaligen Parteichef - und Neffen - Josef Pröll verhindert worden sein, da dies allfällige Kanzlerpläne durchkreuzt hätte. Heuer stellt sich die Lage ein wenig anders dar - denn diesmal sangen die Parteigranden vom Chef Reinhold Mitterlehner abwärts laute Loblieder auf Pröll, doch er selbst entschied sich gegen eine Kandidatur.

Die ÖVP-Kandidaten bei Bundespräsidenten(volks)wahlen:

~ 1951 Heinrich Gleißner, Niederlage in der Stichwahl

gegen Theodor Körner (SPÖ) 1957 Wolfgang Denk, Niederlage gegen Adolf Schärf (SPÖ) 1963 Julius Raab, Niederlage gegen Adolf Schärf (SPÖ) 1965 Alfons Gorbach, Niederlage gegen Franz Jonas (SPÖ) 1971 Kurt Waldheim, Niederlage gegen Franz Jonas (SPÖ) 1974 Alois Lugger, Niederlage gegen Rudolf Kirchschläger (SPÖ) 1980 kein eigener Kandidat, Kirchschläger wird erneut Präsident 1986 Kurt Waldheim gewinnt die Bundespräsidentenwahl

in der Stichwahl gegen Kurt Steyrer (SPÖ) 1992 Thomas Klestil gewinnt die Bundespräsidentenwahl

in der Stichwahl gegen Rudolf Streicher (SPÖ) 1998 Thomas Klestil (nun formal unabhängig) gewinnt

die Bundespräsidentenwahl, kein SPÖ-Kandidat 2004 Benita Ferrero-Waldner, Niederlage gegen Heinz Fischer (SPÖ) 2010 kein eigener Kandidat, Fischer (nun formal unabhängig)

wird erneut Präsident ~ ( 0025-16, Format 88 x 130 mm)