Mit Zitaten von Kreisky und der Bundeshymne
Alexander Van der Bellen gibt sich im Video staatsmännisch und nachdenklich. Seine Partei unterstützt ihn, aber zurückhaltend.
Von Carmen Baumgartner-Pötz
Wien –Eine Überraschung? Die Kandidatur an sich ganz und gar nicht. Schon im Dezember wurde der Videodreh des ehemaligen grünen Bundessprechers publik, kurz vor Weihnachten heiratete er seine langjährige Freundin Doris Schmidauer, Geschäftsführerin im grünen Parlamentsklub. Höchstens der Zeitpunkt der Bekanntgabe, wenige Stunden nach Erwin Prölls definitiver Absage, verblüfft, wirkt aber stimmig: Während die ÖVP ihren Kandidaten noch zu suchen scheint, kann das Team VdB das professionell und staatstragend, aber nicht behäbig inszenierte Video veröffentlichen. Wobei es aus Van der Bellens Wahlkampfzentrale (gegründet wurde ein Verein, besetzt mit grünen [Ex-]Mitarbeitern) heißt, das gestrige Datum sei schon lange fixiert gewesen, Pröll hin oder her.
„Mein Name ist Van der Bellen“, spricht der 71-Jährige am Ende des Videos, nach Szenen vor dem Parlament, auf einem Markt und in einem Auwald, in die Kamera. „Ich kandidiere für das Amt des Bundespräsidenten der Republik Österreich. Und ich bitte um Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung.“ Betitelt ist das Video mit der Bundeshymnen-Zeile „Mutig in die neuen Zeiten“. Auch in die SPÖ-Zitatenkiste wurde gegriffen: „Lassen Sie uns ein Stück des Weges gemeinsam gehen“, so Van der Bellen, der damit einen alten Bruno-Kreisky-Slogan bemühte.
Alexander Van der Bellen wurde 1944 in Wien als Sohn einer estnischen Mutter und eines russischen Vaters geboren und wuchs im Tiroler Kaunertal auf. Er studierte Volkswirtschaft und unterrichtete als Uni-Professor sowohl in Innsbruck als auch in Wien. Aus seiner ersten Ehe stammen zwei Söhne. Politisch „entdeckt“ wurde der Volkswirtschaftsprofessor, der davor auch einmal SPÖ-Mitglied war, vom grünen Mitbegründer Peter Pilz. 1992 kandidierte Van der Bellen für die Grünen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten, 1994 wurde er Nationalratsabgeordneter – bis 2012 saß er im Parlament. Insgesamt elf Jahre war er Chef der Grünen. Nach wie vor ist er passionierter Raucher. Der jetzige Amtsinhaber Heinz Fischer riet ihm gestern schon, dieses Laster aus gesundheitlichen Gründen besser aufzugeben.
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