Fünf Euro pro Quadratmeter sollen in Tirol wahr werden

In den nächsten drei Jahren sollen rund 700 Billigstwohnungen im Zentralraum entstehen. Wer schlecht verdient, soll günstig mieten können.

(Symbolfoto)
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Von Anita Heubacher

Innsbruck –„Beobachten wir die Umsetzung“, meinte gestern LH Günther Platter bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. In den Gesichtern und aus den Fragen der Journalisten war Skepsis abzulesen. Platter und Wohnbaureferent Johannes Tratter (beide ÖVP) hatten gestern ihre Pläne für günstiges Wohnen in Tirol präsentiert.

Demnach sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren rund 700 Billigstwohnungen im Zentralraum entstehen. Dort könnten sich sozial Schwächere um fünf Euro pro Quadratmeter, warm, einmieten. Derzeit liege der Mietpreis im sozialen Wohnbau bei zwölf Euro pro Quadratmeter, nach Abzug der Wohnbauförderung sei man bei 7,60 Euro, erklärte Tratter. Er will die Fünf-Euro-Marke vor allem durch billiges Bauen schaffen. Kein Keller, keine Tiefgarage, einfache Grundausstattung.

Die Billigstwohnungen sollen nicht etwa in Großgebäuden, sondern in kleinen Wohneinheiten entstehen. Die Grundstücke dafür wollen Platter und Tratter von Gemeinden, Kirchen, Klöstern und Pfarren, aber auch von Privaten bekommen. Wieso diese auf den Billig-Deal einsteigen sollen, beantwortete Platter so: „Ich bin mir sicher, dass Bürgermeister Interesse haben, jenen zu helfen, die es nötig haben.“ Was die Dorfchefs bisher daran gehindert habe, Billigstwohnungen zu bauen? Die Bürgermeister würden ihre Verantwortung sehen. Platter und Tratter wollen sie dazu „ermuntern“, Grundstücke anzubieten. Ein entsprechendes Schreiben ergeht in den nächsten Tagen an alle Kommunen und an die Kirche. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die Grundstücke bekommen“, meinte Tratter. Die Kirche ist einer der größten Grundstücksbesitzer in Tirol. Dass sie zu wenig für den sozialen Wohnbau tue, wollten Platter und Tratter nicht sagen. „Die Diözese ist ein verlässlicher Partner.“

Die Kirche verkauft allerdings meistens nicht, sondern vergibt ein Baurecht. Der nächste Schlüssel, auf den Tratter und Platter setzen, damit das Konzept der Billigwohnungen aufgeht. Wer nicht verkaufen wolle, könne seinen Grund nützen.

Wer einziehen und günstig mieten kann, entscheiden zu 85 Prozent die Gemeinden, den Rest will das Land vergeben. Über den Bodenbeschaffungsfonds könnten laut Tratter Grundstücke zur Verfügung gestellt werden. Als Bauträger sieht die Landesregierung die gemeinnützigen Wohnbauträger.

Applaus für den Vorstoß der Regierung kam gestern via Aussendung von der SPÖ. Die Idee habe die Regierung von der Opposition übernommen, meinte Wohnbausprecher Thomas Pupp. „Ich frage mich nur, warum Landesrat Tratter dazu so lange gebraucht hat.“


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