Kräftiges Plus im November: Deutscher Exportrekord zum Greifen nah

Wiesbaden (APA/dpa) - Deutschlands Exporteure steuern trotz wachsender China-Sorgen auf das zweite Rekordjahr in Folge zu. Nach einem verhal...

Wiesbaden (APA/dpa) - Deutschlands Exporteure steuern trotz wachsender China-Sorgen auf das zweite Rekordjahr in Folge zu. Nach einem verhaltenen Start ins Schlussquartal legten die Ausfuhren im November zum Vorjahr um kräftige 7,7 Prozent auf 102,2 Mrd. Euro zu. Das teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mit.

Nach elf Monaten lag der Exportwert mit 1.103,9 Mrd. Euro somit nur noch leicht unter dem Ausnahmejahr 2014, als Auslandskunden Waren „Made in Germany“ im Gesamtwert von 1.123,7 Mrd. Euro kauften.

„Der deutsche Außenhandel setzt mit Schwung zum Jahresendspurt an“, kommentierte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Anton F. Börner. Der schwache Euro half den Unternehmen ebenso wie die Erholung der Konjunktur in Europa. Im November zog die Nachfrage aus den EU-Partnerstaaten weiter an - vor allem aus Ländern wie Großbritannien, die nicht der Eurozone angehören.

In die Europäische Union gingen im November Waren für 60,7 Mrd. Euro. Das war der Löwenanteil der gesamten deutschen Ausfuhren (102,2 Mrd. Euro) und ein Plus von 9,5 Prozent zum Vorjahresmonat. Aber auch die Exporte in die lange kriselnde Eurozone erhöhten sich binnen Jahresfrist deutlich um 8,8 Prozent auf 37,8 Mrd. Euro.

Insgesamt war der November der Monat mit der dritthöchsten Steigerungsrate bei den Exporten im abgelaufenen Jahr. Betrachtet man die elf Monate Jänner bis November lagen die Ausfuhren um 6,7 Prozent über dem Vorjahreswert. Von Oktober auf November 2015 nahmen die Exporte kalender- und saisonbereinigt um 0,4 Prozent zu. Ökonomen hatten binnen Monatsfrist jedoch mit einem kräftigeren Plus gerechnet.

Gänzlich abkoppeln von der Schwäche der chinesischen Wirtschaft kann sich die deutsche Wirtschaft nicht. Unter anderem für Maschinen- und Autobauer ist das Land ein wichtiger Absatzmarkt. Seit Mai sind die deutschen Exporte ins Reich der Mitte rückläufig - mit zuletzt zweistelligen Minusraten (Stand Oktober 2015).

Und China ist nicht das einzige Problem, auch andere Schwellenländer wie Brasilien und Russland schwächeln. Zudem steht die Erholung im Euroraum auf wackeligen Füßen. „Die deutsche Exportwirtschaft könnte bald mit zu viel Gegenwind konfrontiert sein, um ihre jüngste Erfolgsgeschichte fortzuschreiben“, warnt ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

BGA-Präsident Börner betrachtet die Situation in China und im Nahen Osten „mit großer Sorge“: „Die Schockwellen, die von einer weiteren Eskalation der dortigen Krisen ausgehen, stellen für den deutschen Außenhandel eine nachhaltige Bedrohung dar.“

Importiert wurden nach Deutschland im November Waren im Wert von 81,7 Mrd. Euro und damit 5,3 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Für Jänner bis November ergibt sich ein Einfuhrzuwachs um 4,2 Prozent auf 874,8 Mrd. Euro. Von Oktober auf November 2015 legten die Importe um 1,6 Prozent zu.