Ein Traumjob für Kaczynskis Mann fürs Grobe: Fernsehchef in Polen

Warschau (APA/dpa) - Jacek Kurski hat seinen Traumjob: Der nationalkonservative Politiker und Journalist ist der neue Fernsehchef des polnis...

Warschau (APA/dpa) - Jacek Kurski hat seinen Traumjob: Der nationalkonservative Politiker und Journalist ist der neue Fernsehchef des polnischen Senders TVP. Er soll für Objektivität sorgen, heißt es. Kritiker befürchten: Nun kommt das Regierungs-Fernsehen.

Er gilt als „Kaczynskis Bullterrier“ - das ist mal bewundernd, mal ängstlich gemeint. Jacek Kurski (49), neuer Chef des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders TVP, war für den nationalkonservativen polnischen Parteichef Jaroslaw Kaczynski schon öfter der Mann fürs Grobe - aggressiv, schnell, bestens vertraut mit den Medien.

Der ehemalige Fernsehjournalist spielte eine wesentliche Rolle, als 2005 die Hoffnungen des heutigen EU-Ratspräsidenten Donald Tusk auf einen Sieg bei der polnischen Präsidentenwahl knapp scheiterten. Kurz vor der Stichwahl gegen den späteren Wahlsieger Lech Kaczynski lancierte er, Tusks Großvater sei im Zweiten Weltkrieg Mitglied der Deutschen Wehrmacht gewesen.

Der Sender „TVP war immer meine große Liebe“, twitterte der neue Fernsehchef kurz nach seiner Ernennung. „Ich lade alle zur Zusammenarbeit ein.“

Das klingt nach den freundlichen Worten eines neuen Chefs, doch seit Tagen geht in den öffentlich-rechtlichen Medien die Furcht vor „Säuberungen“ um. „Es wird einseitige Propaganda geben“, fürchtete auch der ehemalige liberal-konservative Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak in einer ersten Reaktion.

Der aus Danzig stammende Kurski wuchs mit der polnischen Bürgerrechtsbewegung auf. Seine Mutter engagierte sich für die Gewerkschaft „Solidarnosc“, er selbst war in den 80er Jahren im politischen Untergrund aktiv.

Als sich das Lager der einstigen Bürgerrechtler spaltete, trat Kurski der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) der Brüder Kaczynski bei. Er war PiS-Abgeordneter im polnischen sowie im Europaparlament. Vorübergehend überwarf er sich mit Kaczynski. Er nannte die PiS ein „Strafbataillon“, in dem nur der mächtige Vorsitzende etwas zu sagen habe, und wurde aus der Partei ausgeschlossen.

Doch das ist Schnee von gestern. Nach dem Wahlsieg der Nationalkonservativen war Kurski zunächst Staatssekretär im Kulturministerium. Schon seit Wochen gab es Spekulationen, dass Kurski nach der Verabschiedung des umstrittenen Mediengesetzes an die TVP-Spitze rücken würde.

Einen seiner schärfsten politischen Kritiker hat der neue Fernsehchef im engsten Familienkreis: Sein älterer Bruder Jaroslaw Kurski ist stellvertretender Chefredakteur der linksliberalen „Gazeta Wyborcza“, die die Vorhaben der Nationalkonservativen scharf attackiert. Persönlich finden die beiden Brüder allerdings stets lobende Worte füreinander.