Zahl der Todesopfer nach russischem Luftangriff in Syrien steigt

London/Damaskus (APA/dpa/AFP) - Die Zahl der Todesopfer nach einem russischen Luftangriff im Nordwesten Syriens ist auf 65 gestiegen. Bei de...

London/Damaskus (APA/dpa/AFP) - Die Zahl der Todesopfer nach einem russischen Luftangriff im Nordwesten Syriens ist auf 65 gestiegen. Bei dem Beschuss eines Sharia-Gerichtsgebäudes mit integriertem Gefängnis seien am Samstag in der Stadt Maarat al-Numan auch 22 Zivilisten getötet worden, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit.

Auch 14 Gefangene und 23 Mitglieder der radikalislamischen Al-Nusra-Front seien ums Leben gekommen. Die Islamisten hielten dort Kämpfer rivalisierender Rebellengruppen gefangen. Al-Nusra ist der syrische Ableger des Terrornetzwerkes Al-Kaida. Die Gruppe kontrollierte laut Menschenrechtsbeobachter das Gericht.

Russland fliegt seit September Luftangriffe in Syrien - nach eigenen Angaben gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat. Der Westen hegt allerdings den Verdacht, dass die russischen Angriffe eher dem Ziel dienen, Staatschef Bashar al-Assad zu stützen.

Dringend benötigte Hilfslieferungen für die hungernden Bewohner der belagerten syrischen Städte Madaya, Foua und Kafraya haben unterdessen am Wochenende weiter auf sich warte lassen. Angesichts „logistischer Probleme“ konnten die Hilfen nicht wie geplant dort eintreffen, wie der Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Pawel Krzysiek, am Samstag Damaskus mitteilte

„Wir arbeiten aber hart daran, dass sie am Montag verteilt werden können“, sagte Krzysiek in der syrischen Hauptstadt zu den geplanten Hilfslieferungen. Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der dringend Hilfsbedürftigen allein in Madaya auf 40.000, die Hälfte davon Kinder.

Trotz mehrfacher Aufforderungen der UNO, Hilfslieferungen in die belagerten Städte zuzulassen, war dies monatelang verweigert worden. Am Donnerstag willigte die Regierung in Damaskus jedoch ein, Hilfskonvois durchzulassen.

Madaya wird seit rund einem halben Jahr von Regierungstruppen belagert, Foua und Kafraya in der Provinz Idlib sind von Kämpfern der Rebellen eingekesselt. Vor allem in Madaya ist die Lage nach Angaben von Helfern dramatisch. Demnach starben 23 Menschen an Hunger, darunter sechs Babys.

Am Sonntag sagte der syrische Oppositionelle Soner Taleb der Nachrichtenagentur AFP, die Al-Nusra-Front habe einen Radiosender in der Provinz Idlib gestürmt und zwei Medienaktivisten entführt. Demnach handelte es sich um Hadi al-Abdallah und Raed Fares vom Sender Fresh FM.

Die beiden arbeiteten den Angaben zufolge in der Stadt Kafranbel. Fresh-FM-Chef Fares war bereits zuvor einmal von Al-Nusra-Kämpfern festgenommen worden. Die Miliz kritisiert eine „säkulare Tendenz“ des Senders, der nach ihrer Ansicht „Abtrünnige“ unterstützt.

Kafranbel steht seit dem Jahr 2012 unter der Kontrolle von Aufständischen. Die Stadt ist vor allem dafür bekannt, dass von dort immer wieder kreativer und sogar humorvoller Protest gegen den Bürgerkrieg ausgeht.