Frankreich

Paris-Attentäter war Asylbewerber in Deutschland und bereits in Haft

Der Angreifer hatte am Jahrestag des Anschlags auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Donnerstag mit einem Metzgerbeil bewaffnet und "Allah Akbar" (Gott ist groß) rufend Polizisten vor einem Kommissariat im Pariser Viertel Goutte d'Or attackiert.
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Am vergangenen Donnerstag erschießen Polizisten in Paris einen Mann, der sie mit einem Schlachterbeil attackiert. Jetzt kommt heraus: Der Angreifer lebte zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Recklinghausen, verherrlichte die IS-Terrormiliz und war der Polizei gut bekannt.

Paris – Die Spur des am Donnerstag bei einem Angriff in Paris erschossenen Attentäters führt nach Deutschland. Der Tunesier wohnte zeitweise in einer Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen, wie das Landeskriminalamt in Düsseldorf in der Nacht zum Sonntag mitteilte.

Der Asylbewerber war in Deutschland bereits inhaftiert gewesen. Er spielte den Behörden mindestens sieben verschiedene Identitäten vor, verübte zahlreiche Straftaten und verbüßte im August eine einmonatige Freiheitsstrafe, wie der Direktor des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalen, Uwe Jacob, berichtete. Gegen ihn sei unter anderem wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz, Rauschgifthandel und Körperverletzung ermittelt worden.

Nach einem Hinweis der französischen Sicherheitsbehörden untersuchten Polizisten die Wohnung des Mannes auf dem Gelände einer Asylbewerberunterkunft in der nordrhein-westfälischen Stadt. In seinen Räumen wurden zwei von ihm gefertigte Zeichnungen der Flagge der Terrormiliz Islamischer Staat (IS)gefunden.

Angreifer hatte verschiedene Identitäten

Der mutmaßliche Islamist war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“, an einer Polizeistation in Paris auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte „Allah ist groß“ gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Er trug eine Sprengstoffgürtel-Attrappe. Die Beamten erschossen ihn.

Der Angreifer sei 2013 zum ersten Mal nach Deutschland eingereist und soll davor fünf Jahre illegal in Frankreich gelebt haben, sagte Jacob. Ausgegeben habe er sich als Tunesier, Marokkaner, Syrer und Georgier. „Wir sind uns nicht sicher, wer er tatsächlich ist“, sagte Jacob. Anfang August vergangenen Jahres sei er nach Recklinghausen gekommen und habe von der Stadt eine „Aufenthaltsgestattung“ bekommen. Eine 60-köpfige Ermittlungskommission arbeite unter Hochdruck an der Aufklärung der wahren Identität des Mannes, sagte Jacob.

Nach französischen und deutschen Angaben wurden bei dem erschossenen Angreifer Personalpapiere gefunden, die ihn als Tarek Belgacem auswiesen. Ein Mann unter diesem Namen sei am selben Tag in Abwesenheit von einem französischen Strafgericht zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Wie die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise berichtete, hatte der Mann in Deutschland unter dem Namen Walid Salihi Asyl beantragt. Insgesamt war er demnach unter vier Aliasnamen in der Bundesrepublik registriert.

Festnahme auch in Schweden

Nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve handelte es sich offenbar um einen Einzeltäter. Seiner Kenntnis nach hatte der junge Mann keine Komplizen, sagte Cazeneuve am Sonntag den Sendern Europe 1 und iTele. Er habe sich wohl in mehreren europäischen Staaten aufgehalten, in Deutschland, aber auch in Luxemburg und in der Schweiz.

Schon 2014 wurde er zudem vom Amtsgericht Recklinghausen wegen Rauschgiftdelikten zu zwei Wochen Arrest verurteilt. Er soll auch auf einen schlafenden Obdachlosen eingetreten und ihn mit Alkohol übergossen sowie einen weiteren Mann schwer verletzt haben. In einer Kölner Diskothek soll er Frauen angegrapscht haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war der Mann in der Silvesternacht, als es zu massenhaften Übergriffen in Köln kam, wohl nicht in Deutschland. Der Mann sei einmal auch in Schweden festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert worden.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) zeigte sich bestürzt, dass der Attentäter in einer Asylbewerberunterkunft seiner Stadt gelebt hatte. Er wolle nun gemeinsam mit den zuständigen Behörden „sehr intensiv daran arbeiten“, dass sich Islamisten nicht „in unseren Einrichtungen verstecken können“, erklärte Tesche. (APA/dpa/AFP)