Gesellschaft

High-Tech bis ins hohe Alter

Gertrud Juffinger aktiviert am Nachttisch das Lichtband, das sie Nachts sicher nach Hause geleitet.
© Andreas Rottensteiner / TT

Bewohner der Innsbrucker Seniorenresidenz Veldidenpark experimentieren mit Tablet-PC, Sturzerkennung und Lichtbändern für ein langes, selbstbestimmtes Leben.

Von Theresa Mair

Innsbruck –Im Zimmer raschelt es. Es ist das Geräusch, das ein routinierter Kartenspieler beim Mischen macht. Am Tisch sitzt Irmgard Krenn aber allein. „Die mischen da für mich. Da muss ich mich nicht selber plagen“, schaut die 80-Jährige von ihrem Tablet-Computer auf. Erst am Vortag hat die Seniorin das Kartenspielen mit dem neuen Gerät gelernt.

Mit Feuereifer übt sie sich auch im E-Mail-Schreiben und dank der Vergrößerungsmöglichkeit am Tablet ist das Zeitunglesen jetzt weniger anstrengend für sie. „Ich komme ja nicht mehr raus“, sagt Krenn und freut sich über den Zeitvertreib. Ein Student vom Europäischen Freiwilligenprogramm hilft ihr, das speziell für die Bedürfnisse älterer Menschen optimierte Gerät zu erkunden. Gekonnt bringt Krenn mit einem Wisch über den Bildschirm das Tablet dazu, genau das zu tun, was sie möchte.

Krenn bewohnt seit beinahe zwei Jahren die „Senioren-WG“ in der Seniorenresidenz Veldidenapark in Innsbruck. Nach dem WG-Experiment nimmt sie nun auch als eine von momentan 30 Bewohnern am Projekt „Testregion West-AAL“ teil. AAL steht dabei für das EU-Programm „Active and Assisted Living“. Kurz: Neue Technologien werden entwickelt und erforscht, um älteren Menschen den Alltag zu erleichtern.

Gertrud Juffinger aktiviert am Nachttisch das Lichtband, das sie Nachts sicher nach Hause geleitet.
© Andreas Rottensteiner / TT

Die Ausstattung interessierter Bewohner mit Tablet-PCs ist nur eine Achse des Projekts, das seit Ende 2014 im Wohnheim umgesetzt wird und noch 2016 läuft. „Auch die Mitarbeiter bekommen Tablets, mit deren Hilfe sie die Pflegedokumentation direkt im Zimmer des Bewohners erledigen können“, sagt Geschäftsführer Michael Wolfrum.

Erleichterung soll auch eine in Entwicklung befindliche Uhr für Senioren mit Demenz bringen. „Das größte Problem ist dabei noch das Energiemanagement“, sagt Wolfrum. Das heißt, dass es zum Aufladen des Akkus noch keine 100-prozentig zufriedenstellende Lösung gibt. „Die Uhr ist wasserfest, mit GPS ausgestattet und kann vom Bewohner nicht selbst abgenommen werden“, erklärt der Geschäftsführer. Künftig soll sie sicherstellen, dass nicht mehr ins Blaue gesucht werden muss, wenn sich ein Bewohner verläuft.

Maria Hacksteiner kann dank des Tablets ihren Sohn beim Telefonieren auch sehen.
© Andreas Rottensteiner / TT

Was es bereits gibt: „Wir haben das ganze Haus mit WLAN ausgestattet und wir möchten künftig unseren Bewohnern die technischen Lösungen von vornherein anbieten“, sagt Direktor Heinz Lemmerer. Über diesen Weg können sich die Mieter schon jetzt darüber informieren, was in der Residenz geboten wird, miteinander Fotos austauschen und Chat-Unterhaltungen führen. Außerdem soll „Tante-M“ kommen: eine Kooperation mit der Supermarkt-Kette M-Preis. Die Hausbewohner könnten dann über ihren Computer Lebensmittel frei Haus bestellen.

Gertrud Juffinger bewohnt ein Appartement in der Senioren-Residenz. Seit einiger Zeit führt sie ein Lichtband, das die 85-Jährige am Nachttisch einschaltet, nachts ohne Stolperfalle zum Badezimmer. „Das ist wirklich praktisch“, sagt sie. Bald soll die Innsbruckerin auch elektrische Jalousien bekommen, damit ihr das mühsame Kurbeln erspart bleibt. In der Wohnung wird zudem ein 3D-Sensor eingebaut. Dieser soll kritische Situationen wie Stürze erkennen und sofort Alarm schlagen.

Es geht also um Sicherheit und Unterhaltung: „Das Tablet erleichtert den Menschen die Beziehungsarbeit“, sagt Carmen Stoffaneller, die erste Ansprechpartnerin in der Residenz. Der Aufwand, den die Technisierung samt Einschulungen mit sich bringe, sei derzeit zwar noch groß. Mit der Zeit rechne man aber mit einer Entlastung für das Personal.

Gegenüber von Krenn wohnt Maria Hacksteiner. „Ich habe eine Mordsfreude“, sagt die rüstige 91-Jährige über ihr Tablet. Zwar besuche sie ihr Sohn sehr häufig, er sei aber auch schon in Bozen und in Wien unterwegs gewesen. Mittels Videotelefonie habe er ihr dann die Umgebung gezeigt. „Wir telefonieren miteinander und ich kann ihn sehen“, ist das Tablet für Hacksteiner ein Fenster zur Welt ihrer Familie.

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