Gäste müssen für Schäden im Feriendomizil geradestehen

Hotelzimmer und Appartements sind schonend zu behandeln. Geht etwas kaputt, können Vermieter Schadenersatz fordern. Einem prominenten Sportler ist das im Ötztal widerfahren.

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Zerwühltes Bettzeug und verstreute Klamotten wie auf dem Foto werden das Hotelpersonal nicht in Aufregung versetzen. Anders liegt der Fall, wenn im Zimmer richtig gehaust wird.
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Von Markus Schramek

Innsbruck – Die Silvesterfete war ein großer Spaß, der Ärger danach allerdings auch nicht ohne. Der slowakische Radrennfahrer Peter Sagan, er ist sogar Weltmeister seines Fachs, machte seinem Ärger via Facebook Luft. Er hatte den Jahreswechsel in einem Blockhaus im Ötztaler Ski-Hotspot Sölden verbracht. Genau gesagt in einem hübsch ausgestatteten Chalet, wie so ein Urlaubsdomizil auf neumodern heißt.

„Für einen minimalen Kratzer auf dem Tisch mussten wir 464,40 Euro bezahlen“, schreibt der Sportler auf Face­book. Dies, „obwohl wir den Kratzer nicht einmal verursacht haben“, wie Sagan beteuert. Fazit des Pedalritters: Sölden sei zwar schwer in Ordnung, besagter Beherbergungsbetrieb sehe ihn aber nie mehr wieder.

Die TT versuchte bei Sagans Vermieter die genaueren Umstände des Vorfalls in Erfahrung zu bringen. Das Telefonat dauerte aber nur kurz. „Die Rechnung wurde bezahlt, der Fall ist erledigt. Auf Wiedersehen.“ Mehr war aus dem Ötztal nicht zu erfahren.

Schäden gehören in touristischen Betrieben zum Tagesgeschäft. Harald Ultsch, Betreiber von sieben Hotels zwischen Innsbruck, München und Wien, kann ein Lied davon singen. „Die übliche Abnützung ist im Zimmerpreis enthalten. Schäden, die darüber hinausgehen, sind vom Gast zu bezahlen“, macht Ultsch deutlich.

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Die Grenze von „üblicher“ Abnützung ist nicht immer leicht zu ziehen. „Geht beispielsweise ein Glas zu Bruch, ist das kein Problem“, sagt Ultsch. Werden hingegen Deko-Gegenstände oder Möbel stärker in Mitleidenschaft gezogen, müssten die Gäste dafür geradestehen. „In vielen Fällen kommt die Haushaltsversicherung des Gastes dafür auf, oder er ist über seine Kreditkarte versichert“, berichtet Ultsch aus der Praxis.

Der Hotelier hat in seiner Laufbahn als professioneller Quartiergeber schon viel erlebt. „Manche halten ein Hotel für einen Selbstbedienungsladen. Vom Silberbesteck in der Damenhandtasche bis zur Hotel-Bettdecke im Kofferraum eines Gastes ist schon alles vorgekommen.“ Werden Fälle versuchten Diebstahls zur Anzeige gebracht? Ultsch winkt ab. „Das hat keinen Sinn, weil es schwer nachweisbar ist. Wir komplimentieren die betroffenen Personen freundlich bei der Hoteltür hinaus.“

Bewährt hat es sich, den Zustand von Hotelzimmern vor dem Bezug fotografisch festzuhalten. Dies, so Ultsch, vor allem bei Gästen, bei denen es Grund zur Annahme gibt, dass ihr Aufenthalt etwas lebhafter ausfallen könnte.

Der Beweis, dass Schäden angerichtet wurden, lässt sich mit Fotos in der Hand natürlich besonders leicht erbringen. „Da wird dann auch nicht lange herumverhandelt“, betont Ultsch.

Verursacht man beim Aufenthalt im Hotel oder in der Ferienwohnung einen gröberen Schaden, sollte man sich mit seinem Versicherer in Verbindung setzen. Die Haushaltsversicherung (für die eigenen vier Wände) beinhaltet meist auch die so genannte Privathaftpflicht. Und diese deckt Schadenersatzforderungen, oft weltweit, ab.

Die Deckungssumme orientiert sich an der Höhe der Versicherungsprämie. Dazu ein Beispiel: Die Haushaltsversicherung „Premium“ der Wiener Städtischen übernimmt Schäden am Hotelinventar bis 300.000 Euro. Damit dürfte das Gros der Zwischenfälle abzudecken sein.

Versicherungsverträge sollte man jedoch stets genau lesen. Nicht versicherbar sind nämlich Schäden, die „rechtswidrig oder vorsätzlich“ verursacht werden. Bei schlechtem Benehmen steigt die Versicherung aus.


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