Nach dem Sturz in Kitz klingelte das Handy: Ab in den OP!

Die beiden Unfallchirurgen Christian Hoser und Christian Fink waren während der turbulenten Hahnenkamm-Woche im Dauereinsatz.

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Während der Hahnenkamm-Woche besonders gefordert: die beiden Unfallchirurgen Christian Fink (li.) und Christian Hoser in der Privatklinik Hochrum.
© Julia Hammerle

Von Florian Madl

Rum – „So eine Woche hatten wir noch nie“, gestand gestern Christian Fink, Unfallchirurg an der Privatklinik Hochrum. Regelmäßig klingelte beim 49-Jährigen und seinem Tiroler Partner Christian Hoser im Zuge der jüngsten Kitzbüheler Sturzserie das Telefon, operiert wurde sogar parallel. Erst Florian Scheiber (Kitzbühel) und Nicole Schmidhofer (Cortina), dann Adrian Pertl (Val-d’Isère), am Samstag schließlich Georg Streitberger und Aksel Lund Svindal (beide Kitzbühel).

Das Vertrauen der Stars in Hoser/Fink und Partner Peter Gföller verwundert nicht: Lindsey Vonn ließ sich nach einem Feier-Missgeschick die Daumensehne flicken, Fußballer Simon Pirkl (FC Wacker) das Kreuzband, Skispringer wie Kenneth Gangnes und Skifahrer von Tina Weirather über Manuela Mölgg bis Beat Feuz gehörten ebenso zu den Patienten. Die Fahrt des Schweizers, am Samstag Zweitplatzierter auf der Streif, werten Hoser/Fink als Lichtblick: „Wenn man weiß, was Beat über all die Jahre mitgemacht hat, freut uns das besonders.“

„Ich hatte Glück im Unglück“, bilanzierte der angeschlagene Hannes Reichelt und postete ein Foto auf der Couch.
© facebook/Reichelt

Das Verhältnis Arzt/Patient habe in manchen Fällen schon freundschaftliche Züge angenommen, ein Sturz geht auch den Medizinern nahe. Am Samstag verfolgten die beiden Chirurgen das Streif-Geschehen deshalb mit gemischten Gefühlen, ihr Fazit nach dem TV-Studium deckte sich mit dem vieler Zuschauer: „Man sah, dass die Läufer absolut am Limit waren.“ Weniger die Vielzahl der Verletzungen als die Komplexität würde ihnen zu denken geben. Das gilt auch für die vor vielen Jahren eingeführte Materialrevolution des Internationalen Skiverbands (FIS): Die Korrektur der Skiradien hätte in puncto Verletzungshäufigkeit zu keinen merklichen Änderungen geführt. Das Pro­blem sei höchstens vom Knie in Richtung Rücken verlagert worden, wie Christian Hoser feststellt: „Wenn du an einer Schraube drehst, wirkt sich das anderswo aus.“

Bei ihren verletzten Profis in der Klinik Hochrum nahe Innsbruck sind die beiden Chirurgen indes nicht nur als Mediziner gefordert. „Wir sind diejenigen, die nach der Verletzung einen Weg vorgeben. Nicht jedem fällt es schließlich leicht, von einem Tag auf den anderen aus dem Training gerissen zu werden“, glaubt Christian Hoser. Nicht jeder Sportler nehme demnach sein Schicksal an wie der neuerdings verletzte Norweger Aksel Lund Svindal, der wie schon nach seinem Achillessehnenriss (2014) ausschließlich das Positive sehen wollte: „Du kannst einmal ganz was anderes ausprobieren“, soll der 33-Jährige damals gemeint haben. „Verletzung als Chance“, bezeichnete das Christian Hoser, sein Partner Christian Fink nickte. Mit der beruflichen und privaten Freundschaft der beiden verhielt es sich übrigens wie mit einem Kreuzband: Es dauerte eine Weile, bis man zusammenwuchs, im Fall der Studienkollegen war es ein gemeinsames Praktikum als Anti-Doping-Mitarbeiter.

„Ich muss ja bei meinen Buam vorbeischauen“, meinte DJ Ötzi, nachdem er gestern in Hochrum der Reihe nach Aksel Lund Svindal, Georg Streitberger und Florian Scheiber (Bild) besucht hatte.
© Julia Hammerle

Die kommenden Tage über sollte es ruhiger werden, beim Nachtslalom in Schladming (morgen) scheint eine Verletzung unwahrscheinlicher als in Kitzbühel. Aber wem die Sportler vertrauen, der kennt selten ein Wochenende. „Morgen kommt Travis Ganong vorbei“, meint Christian Fink. Auf eigenen Beinen, nicht auf einem Liegewagen. Nach dem Hahnenkamm-Wochenende wohl keine Alltäglichkeit.


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