Äthiopien

Trotz großer Erfolge immer noch eines der ärmsten Länder der Welt

Die Kindersterblichkeit in Äthiopien sank in den letzten Jahren um die Hälfte und mehr als 85 Prozent der schulpflichtigen Kinder wurden eingeschult
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Sechs von acht Millenniumsentwicklungszielen wurden erreicht, aber noch immer leben 30 Prozent der Bevölkerung in Armut.

Addis Abeba, Wien – -Äthiopiens Geschichte ist eine bewegte - von der Salomonischen Dynastie über das brutale Derg-Regime, das bis in die frühen 1990er reichte, bis hin zum blutigen Konflikt mit Eritrea. Trotz wirtschaftlicher Erfolge, die seither erzielt wurden, zählt es immer noch zu den ärmsten Ländern der Welt. Seit 1993 ist Äthiopien ein Schwerpunktland der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA).

Nach dem Ende des äthiopischen Bürgerkriegs 1991 bis zu seinem Tod 2012 regierte Ministerpräsident Meles Zenawi den knapp 99-Millionen-Einwohnerstaat mit starker Hand. Mit seiner Partei, der EPRDF (Revolutionäre Demokratische Front der äthiopischen Völker), entwickelte er ein Programm, um das Land politisch grundlegend neu zu ordnen.

Starkes Bevölkerungswachstum bedroht die Erfolge

Und tatsächlich wurden in den vergangenen 15 Jahren große Erfolge verbucht. So konnten etwa sechs der acht Millenniumsentwicklungsziele (Millennium Development Goals, MDGs) der UNO erreicht werden. Vor allem bei der Armutsminderung ist das Land auf einem guten Weg: Der Anteil der Bevölkerung, die in extremer Armut (weniger als ein Dollar pro Tag) leben, konnte um 20 Prozent gesenkt werden. Allerdings droht das schnelle Bevölkerungswachstum die Erfolge zu konterkarieren. Durchschnittlich bekommt eine Frau in Äthiopien 5,9 Kinder.

Ebenso positiv ist die Entwicklung in den Bereichen Bildung und Gesundheit. Die Kindersterblichkeit sank um die Hälfte, mehr als 85 Prozent der schulpflichtigen Kinder wurden eingeschult (44 Prozent der Bevölkerung ist jünger als 15 Jahre). Die Alphabetisierungsrate liegt derzeit bei nur 39 Prozent.

Müttersterblichkeit immer noch sehr hoch

Trotz internationaler und nationaler Unterstützung - die Regierung lockerte zur Erreichung der MDGs rund eine Milliarde US-Dollar, vor allem für die ärmste Bevölkerungsschicht - leben noch immer 30 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Das durchschnittliche Monatseinkommen eines Äthiopiers beträgt in etwa 45 Euro, in ländlichen Gegenden noch weniger. Im Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen (Human Development Index, HDI) belegt das Land einen der hintersten Ränge (173 von 187). Und auch in Sachen Geschlechtergerechtigkeit und Müttersterblichkeit bleibt noch einiges zu tun.

Österreich unterstützt deshalb unter anderem Projekte zur Stärkung von Frauen, damit diese durch die Verbesserung ihrer Einkommenssituation ein selbstbestimmteres Leben führen und ihren Kindern Schulbildung ermöglichen können. Gleichzeitig gibt es Hochschulkooperationen zwischen Universitäten im Norden des Landes und der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien oder Projekte zur Sicherung der Grundversorgung und Produktivitätssteigerung für ländliche Bevölkerung - vor allem auch, um den regelmäßigen Dürreperioden und darauffolgenden Hungersnöten vorzubeugen.

Zwischen 1995 und 2015 flossen insgesamt etwa 118 Millionen Euro österreichische Entwicklungshilfegelder (Official Development Aid, ODA) nach Äthiopien, rund 84 Millionen davon wurden über die Austrian Development Agency (ADA), die Agentur der OEZA, abgewickelt. Knapp acht Prozent des ADA-Budgets werden derzeit in Äthiopien investiert.

Über sieben Prozent Wirtschaftswachstum

Auch Wirtschaftspartnerschaften werden in dem Land gefördert. Vor allem die äthiopische Regierung verlange nach einer verstärkten Beteiligung des Privatsektors, heißt es seitens Experten. Überhaupt ist die Wirtschaft in dem Land im Aufschwung. Laut Regierung soll sie in diesem Jahr um elf Prozent wachsen, internationale Berechnungen ergeben ein Wachstum von bis zu 7,5 Prozent - ein attraktiver Markt für Investoren. Die Suche nach mehr ausländischen Investitionen sowie neuen Exportmärkten wurde auch im nationalen Wachstums- und Transformationsplan (Growth and Transformation Plan, GTP) festgehalten.

Fest steht, mit den Investitionen - egal ob in Privatsektor oder ländliche Entwicklung - und dem konsequenten Vorantreiben des GTP I bzw. GTP II, der im Herbst letzten Jahres präsentiert wurde, ist Äthiopien auf dem besten Weg, sein Ziel, bis 2025 in den Kreis der Länder mit mittlerem Einkommen (MIC) aufzusteigen, zu erreichen. Der „Pro-Poor“-Ansatz der Regierung, also die Konzentration auf die Ärmsten der Armen, sollte ein Instrument dazu sein, die gerechte Aufteilung des Wachstums auf alle Bevölkerungsschichten sicherzustellen. (APA)