Lehrerprotest gegen Schulbuch-Umschichtung
Wer nicht ausreichend Deutsch spricht, soll weniger Schulbücher bekommen. Lehrer-Gewerkschafter Kimberger zeigt sich fassungslos.
Wien –Eine Umschichtung bei der Schulbuchaktion für außerordentliche Schüler (also zumeist Kinder mit Migrationshintergrund) sorgt in vielen Schulen unter Lehrern für Empörung. Die Tiroler Tageszeitung berichtete in der Vorwoche ausführlich über diese Maßnahme, die kurz zusammengefasst lautet: Wer nicht ausreichend Deutsch spricht, soll auch nicht alle Bücher bekommen.
Und genau dies stößt dem Vorsitzenden der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Paul Kimberger (FCG) sauer auf. Er reagierte auf die Maßnahmen des Familienministeriums mit „Fassungslosigkeit“. In vielen Schulen, so berichtete Kimberger, herrsche Empörung über diese budgetären Umschichtungen.
„Jeder Experte in Migrationsfragen wird ihnen bestätigen, dass es hier in der Schule einen hochwertigen Einsatz von Unterrichtsmaterialien braucht. Zahlreiche Lehrer leisten einen besonderen Einsatz in ihrer Arbeit mit den Flüchtlingskindern. Und jetzt diese Maßnahmen. Das ist der Höhepunkt des Zynismus. Ich nenne das Verhalten des Ministeriums in höchstem Maße verantwortungslos“, sagte Kimberger im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.
Zuständig für die Schulbuchaktion ist das Familienministerium von Sophie Karmasin (ÖVP). Die Mittel kommen aus dem Familienlastenausgleichsfonds. Dieser Tage hat das Ministerium – wie berichtet – die Schulen per „Vorinformation“ über die Neuerungen im kommenden Schuljahr informiert – und damit auch über die Änderungen bei Schülern, die wegen mangelnder Deutschkenntnisse als außerordentlich geführt werden.
Der Betrag, der für jedes Kind zur Verfügung steht, ist abhängig vom Alter und dem Schultyp. Für Volksschulen sind es 50 Euro pro Jahr, für Neue Mittelschulen und AHS-Unterstufen 95 Euro. Dazu kommen Zuschläge für Religion und – bisher – je 14,67 Euro für „Deutsch als Zweitsprache“ sowie den Unterricht in der Muttersprache.
Für außerordentliche Schüler soll der Regelsatz nun auf 25 Euro (Volksschule) bzw. 45 Euro gekürzt werden. (TT)
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