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Nachhilfe-Experte: „Die Tiroler sind bildungsresistent“

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Acht Millionen Euro haben Tiroler Eltern im letzten Schuljahr für die Nachhilfe ihrer Sprösslinge ausgegeben – nicht immer, um ein drohendes Nicht Genügend auszubügeln.

Innsbruck – Jeder vierte Tiroler Haushalt mit schulpflichtigem Kind musste laut einer Studie der Arbeiterkammer im vergangenen Schuljahr Nachhilfe engagieren. Oft ging es darum, ein drohendes Nicht Genügend auszubügeln.

Dass aber nicht nur Fünfer-Kandidaten zur Nachhilfe gehen, zeigt eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung für Deutschland: Rund ein Drittel der Nachhilfe-Schüler büffelt in der Bundesrepublik derzeit in der Freizeit extra, um die aktuellen guten Noten zu verbessern.

Zahlen, die laut Theresia Glugovsky von der Innsbrucker Schülerhilfe auch auf ihr Institut zutreffen: „Rund ein Drittel der Schüler, die wir betreuen, wollen ihre Noten von vier auf drei oder von drei auf zwei verbessern oder ihren Schnitt halten.“ Natürlich sei ein größerer Prozentsatz vom Sitzenbleiben oder einem Nicht Genügend bedroht.

Christian Köll vom gleichnamigen Nachhilfe-Institut in Innsbruck kann sich die deutschen Zahlen gut erklären: „Dort gibt es einen Numerus Clausus. Wenn es den bei uns auch gäbe, dann wären bei uns die Zahlen wohl ähnlich.“

In seiner zwanzigjährigen Nachhilfe-Tätigkeit sieht er den Anteil an Notenverbesserern aber eher als verschwindend gering an. „Zu uns kommen die Schüler immer erst, wenn es schon fast zu spät ist. Im Oktober und November haben wir fast nichts zu tun, im April und Mai sind wir komplett ausgebucht“, so Köll. Er konstatiert eher eine gegenteilige Entwicklung: „In Tirol oder Österreich geht es viel mehr darum, sich irgendwie durchzuwurschteln. Die Tiroler sind bildungsresistent.“ Vielfach würde er Kinder von Eltern der besser verdienenden oberen Schicht betreuen: „Wir betreuen Kinder von Ärzten, Anwälten oder ähnlichem. Die wissen, dass ihre Kinder ohne Bildung nicht an gewisse Berufe kommen.“

Auch die Zahlen der AK sprechen da eine deutliche Sprache: Im Schuljahr 2014/15 wurden acht Millionen Euro für Nachhilfe ausgegeben. Jeder betroffene Haushalt bezahlte im Schnitt 633 Euro. Das kann sich nicht jeder leisten.

Köll konstatiert, dass das Bildungsniveau seit Jahren konstant sinke, auch weil in den Schulen viel schief laufe. Leistung stehe nicht mehr im Vordergrund: „Teilweise kommen Zwölf-, Dreizehnjährige zu uns, die einen einfachen Text nicht mehr verstehen“, nennt er nur ein Beispiel. „Wenn das so weitergeht, haben wir in 15 Jahren das Niveau von Griechenland.“ (TT.com)

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