Brasilien rät Schwangeren von Einreise ab, Olympia nicht in Gefahr
Die WHO erklärte wegen des Zika-Virus einen globalen Gesundheitsnotstand. Es besteht Gefahr für ungeborene Babys. Brasilien rät nun Schwangeren von der Einreise ab.
Rio de Janeiro – Brasilien sieht trotz der Ausrufung des weltweiten Gesundheitsnotstands keine Gefahr für die Austragung der Olympischen Sommerspiele (5. bis 21. August 2016). Schwangere sollten aber wegen des Zika-Virus das Sportgroßereignis in Rio de Janeiro meiden.
„Schwangeren wird von einer Reise zu den Olympischen Spielen abgeraten“, betonte der Stabschef des Präsidialamtes, Jaques Wagner, am Montag vor Journalisten. „Für alle anderen besteht keine Gefahr.“ Das Risiko für Besucher und Athleten sei „gleich Null“, bekräftige Wagner, der eine Absage der Sommerspiele kategorisch ausschloss.
„Vorsicht ja, Besorgnis nein“
Auch Österreichs Olympisches Komitee (ÖOC) beruhigte. „Vorsicht ja, Besorgnis nein“, hieß es am Dienstag in einer ÖOC-Aussendung. Man habe alle Sportverbände bzw. betroffenen Athleten, die in nächster Zeit Test- oder Qualifikationswettkämpfe in Rio absolvieren, bereits vor Wochen über die Situation informiert. „Es besteht kein Grund zur Besorgnis. Aber es ist angebracht, sich entsprechend vor Mückenstichen zu schützen“, wurde etwa ÖOC-Arzt Alfred Engel zitiert.
Am Montagabend hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Dies soll den internationalen Kampf gegen den Erreger erleichtern. Brasilien, das am stärksten betroffene Land, begrüßte diesen Schritt.
Die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC) hält die Bekämpfung des Erregers mit einem langfristigen Plan für nötig. „Statt allein auf die einzelnen Ausbrüche zu reagieren, muss in ein langfristiges integriertes Programm investiert werden“, sagte der IFRC-Direktor für Nord- und Südamerika, Walter Cotte, in Genf. So müsste die Bevölkerung mehr über die Risiken lernen.
Das IFRC startete einen Hilfsaufruf über 2,3 Millionen US-Dollar (2,11 Millionen Euro). Das Geld soll die Rot-Kreuz-Organisationen im Kampf gegen Zika unterstützen.
Tigermücke als Wirt für Virus „verantwortlich“
Das Virus wird vor allem von der Mückenart Aedes aegypti, der Ägyptischen Tigermücke, übertragen. Es steht im Verdacht, durch Infektion von Schwangeren bei Ungeborenen Fehlbildungen (Mikrozephalie) auszulösen: Die Babys kommen mit einem zu kleinen Schädel auf die Welt und sind meist geistig behindert.
Das Klima könnte den Olympischen Spielen zu Hilfe kommen. Da im August in Brasilien Winter ist, könnten die Folgen milder ausfallen, wie Rios Bürgermeister Eduardo Paes in der vergangenen Woche gesagt hatte. „Im Monat August gibt es keine Verbreitung dieser Mücke.“
Auch Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), verwies am Montag bei seinem Besuch in Los Angeles auf diese Tatsache. Generell gebe es in Brasiliens Wintermonaten durch das „trockenere, kühlere Klima deutlich weniger Moskitos“, betonte Bach, der auch den Zeitfaktor ansprach. „Es bleiben uns noch sechs Monate, um dieses Problem zu bewältigen.“
Bisher ist das Virus binnen weniger Monate in 26 Ländern Lateinamerikas aufgetaucht. In Europa wurden bisher nur vereinzelt Infektionen bekannt. Erstmals wurde der Erreger 1947 im Zika-Wald in Uganda entdeckt. Normalerweise löst es grippeähnliche Symptome oder Hautausschlag aus. Nicht jeder Infizierte erkrankt. Eine Impfung oder ein Heilmittel gibt es nicht. (APA/dpa)
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