Gerüchteküche kocht mit unfairen Zutaten
Eine ÖRK-Mitarbeiterin soll im Flüchtlingscamp angegriffen worden sein. Laut Rotem Kreuz war es ein betrunkener Tiroler, der zuschlug.
Von Wolfgang Otter
Kufstein –Soziale Medien sind gerade im Wahlkampf nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder, lässt sich doch über sie leicht und meist unkommentiert die eigene Meinung verbreiten. Aber auch Gerüchte, die sich dann oft als Seifenblasen herausstellen, finden hier ein breites Publikum. So wie bei der Aufregung um einen vermeintlichen Übergriff, der im Kufsteiner Flüchtlingscamp stattgefunden haben soll. Laut einem Medienbericht sei einer jungen ÖRK-Helferin bereits im November des Vorjahres im Flüchtlingscamp in Kufstein von einem Flüchtling der Kiefer zertrümmert worden – während der Essensausgabe, wegen einer Kleinigkeit. Ein Vorfall, der bewusst verschwiegen worden sei, heißt es.
Diese Meldung hat auch ihren Weg auf die Facebook-Seite der FPÖ Kufstein gefunden. Wo die Blauen den Vorfall für ihren Wahlkampf ausschlachten wollen: „Ein weiterer lange vertuschter Einzelfall aus dem Kufsteiner Flüchtlingscamp – warum darüber wohl nicht berichtet wurde? Was wird uns wohl sonst noch alles verschwiegen?“, heißt es. Und die FPÖ tadelt auch gleich die Medien, dass deren primäre Aufgabe eigentlich „die Information und nicht die Erziehung“ sei, wie auf der Seite nachzulesen ist.
Das Ganze hat aber einen Pferdefuß und zeigt, wie schnell aus Unsicherheit und Nichtrecherche ein Gerücht zur berühmten „Bananenschale“ werden kann, auf der man ausrutscht: Zwar wurde tatsächlich eine ÖRK-Mitarbeiterin im November verletzt. Aber nicht im Camp und schon gar nicht von einem Flüchtling, sondern von einem betrunkenen Tiroler.
Passiert, so erklärt das Rote Kreuz, sei es Anfang November, als ein Rettungswagen nach Schwoich gerufen wurde. Dort schlug der Mann nach Informationen der Organisation zu. Die Sanitäterin erlitt aber kaum nennenswerte Verletzungen. Trotzdem wurde die Polizei gerufen – was von der Kufsteiner Polizeiinspektion bestätigt wird –, die den Sanitätern half und den Rettungswagen ins Krankenhaus begleitete. Bereits einige Tage nach diesem Vorfall „wurde unsere Mitarbeiterin darauf angesprochen, ob es wahr sei, dass sie im Camp angegriffen wurde“, sagt Bezirksrettungskommandant Gerhard Thurner. Und obwohl sie dies immer verneint habe, blieb das Gerücht am Leben – und fand den Weg in ein Medium und in die sozialen Netzwerke. Es ist nicht das einzige rund um das Camp und dürfte es wohl auch nicht bleiben.