66. Berlinale: Bärenstarkes Staraufgebot und ein Spendenaufruf

Berlin/Wien (APA/dpa) - Der Bär ist los: Der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast wird ausgerollt, die Ticketschalter bereiten sich auf den...

Berlin/Wien (APA/dpa) - Der Bär ist los: Der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast wird ausgerollt, die Ticketschalter bereiten sich auf den Ansturm der Kinofans vor. „Wir haben Stars wie George Clooney, Jude Law, Isabelle Huppert, Channing Tatum, Colin Firth, Kirsten Dunst, Tilda Swinton, Julianne Moore und viele mehr, die die Leute von der Couch locken werden“, kündigt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick am Dienstag an.

Genau 434 Filme werden ab 11. Februar bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin gezeigt, die als größtes Publikumsfestival der Welt gelten. Weitere rund 700 Filme sind beim European Filmmarket für professionelle Filmeinkäufer zu sehen. Die internationale Jury unter Vorsitz der dreifachen Oscar-Gewinnerin Meryl Streep (66) entscheidet über die Gewinner des Goldenen und der Silbernen Bären. In der siebenköpfigen Jury sitzen auch Theater- und Filmschauspieler Lars Eidinger (40) und die italienische Aktrice Alba Rohrwacher (36), wie Kosslick am Dienstag bekannt gab.

Ins Bären-Rennen gehen 18 Filme aus aller Welt - unter anderem aus Tunesien, dem Iran, Großbritannien, den USA, Frankreich, Portugal, Kanada und Polen. Erstmals nach vielen Jahren hat es nur ein originär deutscher Film in den offiziellen Wettbewerb geschafft: „24 Wochen“ von Anne Zohra Berrached („Zwei Mütter“). Julia Jentsch („Sophie Scholl - Die letzten Tage“) spielt in dem Film eine im 6. Monat schwangere Kabarettistin. Als sie und ihr Mann (Bjarne Mädel) erfahren, dass das ungeborene Kind das Down-Syndrom und einen Herzfehler hat, erwägt das Paar eine Abtreibung. „Ein sehr intensiver Film“, so Kosslick.

Auch zwei deutsche Koproduktionen haben Bären-Chancen: Im Rennen ist die Fallada-Verfilmung „Alone in Berlin“ (dt. Titel „Jeder stirbt für sich allein“) des Schweizers Vincent Perez über den Widerstand eines Berliner Ehepaars gegen die Nazis. Es spielen die Stars Daniel Brühl, Emma Thompson und Brendan Gleeson. „Soy Nero“, der neue Film des aus dem Iran stammenden Filmemachers Rafi Pitts („Zeit des Zorns“), entstand ebenfalls mit deutscher Beteiligung.

Ein österreichischer Beitrag ist heuer nicht im Wettbewerb vertreten, einzig Siegfried A. Fruhauf hat mit seinem Experimentalfilm „Vintage Print“ Bärenchancen im Kurzfilmwettbewerb. In der Sektion Forum feiern Nikolaus Geyrhalters neue Doku „Homo Sapiens“ und Ruth Beckermanns Annäherung an Ingeborg Bachmann und Paul Celan, „Die Geträumten“, Weltpremiere. In den Panorama-Sektionen „Spezial“ und „Dokumente“ laufen die Beziehungsstudie „Kater“ von Händl Klaus bzw. Patric Chihas „Brüder der Nacht“ über bulgarische Roma, die auf der Suche nach Freiheit und schnellem Geld nach Wien kommen.

Der mit mehr als acht Stunden längste Wettbewerbsfilm der Festivalgeschichte kommt von den Philippinen: Regisseur Lav Diaz erzählt in „A Lullaby to the Sorrowful Mystery“ („Hele Sa Hiwagang Hapis“) vom Kampf seines Landes gegen die spanische Kolonialmacht Ende des 19. Jahrhunderts.

Auch der Iran, der im vergangenen Jahr mit „Taxi Teheran“ von Jafar Panahi den Goldenen Bären holte, ist wieder im Wettbewerb. Anders als der regimekritische Panahi, der nicht nach Deutschland reisen durfte, wird Regisseur Mani Haghighi zur Vorstellung seines Films „A Dragon Arrives!“ („Ejhdeha Vared Mishavad!“) in Berlin erwartet. Ein brisanter Film aus dem Iran läuft auch in der Panorama-Reihe: „Lantouri“ von Reza Dormishian erzählt basierend auf einer wahren Begebenheit vom Säure-Attentat auf ein junges Mädchen - und dem in den islamischen Gesetzen verankerten Recht des Opfers auf direkte Vergeltung am Täter.

Die elftägige Berlinale gilt als das politischste der drei großen Filmfestivals Berlin, Cannes und Venedig. Aber erstmals rufen die Berliner Filmfestspiele die Kinogänger jetzt direkt zur Hilfe für Flüchtlinge auf. Die Berlinale bittet nach den Worten von Kosslick zum ersten Mal in ihrer Geschichte um Spenden - für eine Initiative, die sich um traumatisierte Folteropfer kümmert.

Auch im Wettbewerb spiegelt sich das Leid der Flüchtlinge. „Viele Filmemacher suchen nach den Ursachen der Flüchtlingsströme“, sagt Festivalchef Kosslick. Ganz nah dran an den Schicksalen der Geflüchteten ist Gianfranco Rosi mit „Fuocoammare“ (engl. Titel „Fire at Sea“). „Der italienische Regisseur lebte mehrere Jahre auf Lampedusa, um diesen Film zu drehen“, sagt Kosslick. „In einer Mischung aus Dokumentation und inszenierten Szenen erzählt Rosi von dem dramatischen Flüchtlingselend und parallel dazu von einem kleinen Jungen, der auf Lampedusa lebt.“

Doch auch Glanz, Glamour und Unterhaltung kommen nicht zu kurz, wie Kosslick versprach. US-Filmemacher Spike Lee zeigt außer Konkurrenz „Chi-Raq“ mit Wesley Snipes und Samuel L. Jackson. In der Bären-Konkurrenz ist „Genius“ mit Colin Firth, Jude Law und Nicole Kidman. Und zur Festivaleröffnung mit „Hail, Caesar!“ erwartet Kosslick auf dem roten Teppich die US-Regiebrüder Ethan und Joel Coen und ihren Hauptdarsteller George Clooney.

(S E R V I C E - Die 66. Berlinale findet vom 11. bis zum 21. Februar in der deutschen Hauptstadt statt. www.berlinale.de)