US-Vorwahlen: Blamagen für die Favoriten in Iowa
Die erste Abstimmung im US-Vorwahlkampf zeigt den Frust gegenüber dem politischen Establishment.
Von Floo Weißmann
Washington – Mit einer Rekordbeteiligung an den Parteiversammlungen in Iowa hat am Montag das amerikanische Superwahljahr 2016 begonnen. Einige Lehren aus den ersten Abstimmungen:
1. Die Favoriten sind entzaubert: In beiden Parteien mussten die Langzeitführenden in den Umfragen harte Dämpfer hinnehmen. Bei den Demokraten konnte die Mainstream-Kandidatin Hillary Clinton nur hauchdünn gegen den selbsterklärten „demokratischen Sozialisten“ Bernie Sanders gewinnen und damit die Blamage gerade noch in Grenzen halten. Bei den Republikanern landete der Rechtspopulist Donald Trump nur auf dem zweiten Platz hinter dem Ultrakonservativen Ted Cruz, welcher umgehend erklärte: „Die Ehre gebührt Gott.“
2. Aufstand gegen das Establishment: Der Frust über das politische System und seine Repräsentanten sitzt in beiden Lagern tief. Bei den Demokraten entfiel die Hälfte der Stimmen auf einen Außenseiter, der nicht einmal Parteimitglied ist und vor ein paar Monaten noch so gut wie unbekannt war. Und bei den Republikanern kamen zwei Quereinsteiger (Trump und Ben Carson) und zwei Jungsenatoren (Cruz und Marco Rubio) zusammen auf fast 85 Prozent der Stimmen, während fünf erfahrene Ex-Gouverneure zusammen nur bei gut 9 Prozent landeten.
3. Ohne Basisorganisation geht es nicht: Iowa hat erneut gezeigt, dass es enthusiastische und gut vorbereitete Unterstützer braucht, die vor Ort die Trommel rühren – gerade beim Caucus-Verfahren (siehe unten) und in kleinen Bundesstaaten. Trump flog für Events im Privatjet ein, doch Cruz und seine Leute tingelten von Dorf zu Dorf. Das trug wesentlich zum Sieg bei. Mit derselben Methode hatte vor acht Jahren der Außenseiter Barack Obama der damaligen Favoritin Hillary Clinton in Iowa eine überraschende Auftakt-Niederlage beschert.
4. Duell bei den Demokraten: Clinton gilt den meisten Kommentatoren zwar weiterhin als Favoritin, aber der Weg zur Nominierung dürfte steiniger werden als erwartet. Sanders begeistert vor allem das junge und liberale Publikum und er liegt im nächsten Vorwahlstaat New Hampshire in Umfragen klar voran. „Was Iowa heute begonnen hat, ist eine politische Revolution“, sagte der Senator. Clinton hingegen soll ihren Missmut nur mühsam überspielt und keine einzige Hand geschüttelt haben.
5. Offenes Rennen bei den Republikanern: Auf Iowa folgt zumindest ein Dreikampf. Trump, der sich am Montag erstmals einer Abstimmung gestellt hatte, muss in New Hampshire gewinnen, um seinen Sieger-Nimbus nicht gänzlich zu verlieren. In den Umfragen dort lag er bisher klar voran. Cruz gilt als der derzeit bestorganisierte und bestfinanzierte Bewerber. Er könnte den liberalen Ostküstenstaat links liegen lassen und auf South Carolina setzen. Der Südstaat mit seiner starken religiösen Rechten liegt ihm besser und könnte ihm den zweiten Triumph bei der dritten Abstimmung bescheren. Daneben geht es in New Hampshire um eine mögliche Vorentscheidung, wer sich als Hoffnungsträger der moderateren Republikaner durchsetzt. Nach seinem überraschend starken dritten Platz in Iowa darf Rubio auf diese Rolle hoffen.
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