NATO-Kräfte zerstören Radiosender des IS in Afghanistan
Der IS-Radiosender „Stimme des Kalifats“ konnte durch NATO-Streitkräfte zerstört werden. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass der Rundfunk für Propagandazwecke machtvoll missbraucht werden kann.
Kabul - Ein Radiosender der Terrormiliz IS (Daesh) in der ostafghanischen Provinz Nangahar namens „Stimme des Kalifats“ ist bombardiert und zerstört worden. Der Polizeisprecher der Provinz, Hasrat Maschrikiwal, sagte am Mittwoch, in der Nacht auf Dienstag hätten „NATO-Streitkräfte“ den Standort im Atshin-Bezirk beschossen. „Wir haben ihn seit vorgestern nicht mehr gehört.“ Der Sender diente auch zur Rekrutierung neuer Kämpfer.
Fünf Männer seien dort beschäftigt gewesen. Außerdem sei eine „zur Kommunikation bestimmte Station mit Empfängern für Satelliteninternet“ getroffen worden. Insgesamt wurden laut Maschrikiwal 29 IS-Kämpfer getötet.
Programm im Jänner erweitert
Das Radioprogramm, das seit Ende 2015 gesendet wurde und in Nangahar sowie in Grenzgebieten Pakistans zu hören war, wurde jüngst um die zweite Landesprache Afghanistans, Dari, erweitert. Zuvor war es nur in Paschtu zu hören.
Der Chef des Provinzrats von Nangarhar, Ahmad Ali Hasrat, fürchtete angesichts der Radioübertragung vor allem um die Jugendlichen in der Region. „Die meisten unserer jungen Leute sind arbeitslos, und dieser Sender wird viele Jugendliche ermuntern, sich dem IS anzuschließen“, sagt Hasrat.
John Campbell, Oberbefehlshaber der NATO in Afghanistan, warnte im Jänner dieses Jahres davor, dass der IS in diesem Gebiet, staatsübergreifend zwischen Afghanistan und Pakistan, eine neue Provinz installieren wolle.
Ehemalige Talibankämpfer rekrutiert
Über die Strukturen des IS in Afghanistan und die Verbindungen zum Kern der Organisation in Syrien und im Irak ist erst wenig bekannt. Die Mitglieder jedoch sollen ehemalige Talibankämpfer sein, die sich mit der aktuellen Führung überworfen haben und extremes militärisches Vorgehen befürworten.
Radio als mächtiges Instrument
Welche entscheidende Rolle Radiosender in instabilen Zeiten und Regionen einnehmen können, zeigt etwa der Fall des Kanals „Radio Television Libre des Milles Collines“ (RTLM) aus Ruanda. Während des ruandischen Völkermordes im Jahr 1994 betrieb der Sender massive Propaganda. Über RTLM wurde zu den Massakern an der Tutsi-Minderheit durch die Hutu aufgerufen.
Zwei ehemals ranghohe Mitarbeiter des Rundfunks wurden 2003 vom UN-Kriegsverbrechertribunal zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Den Schuldspruch argumentierte die vorsitzende Richtern Navanethem Pillay damals: „Anstatt die Medien zu gebrauchen, um Menschenrechte zu fördern, haben Sie es benutzt, um Menschenrechte anzugreifen und zu zerstören.“ (APA/dpa/Reuters/pp)
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