Lebensader von Landeck führt deutlich mehr Wasser
Die Tiwag muss im Inn ab der Runser Au fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde sicherstellen. Die Stromproduktion wurde reduziert.
Von Helmut Wenzel
Landeck, Fließ –Das nehmen Fischer, Touristiker und zahlreiche Landecker mit Genugtuung zur Kenntnis: Der Inn führt seit ein paar Wochen deutlich mehr Wasser als früher. „Auch den lästigen Schwallbetrieb, der Stress für die Fischpopulation bedeutet, scheint es nicht mehr zu geben“, stellt einer der Landecker Petrijünger fest.
Noch vorigen Winter bot sich in der Bezirksstadt ein erbärmliches Rinnsal mit etwas mehr als einem Kubikmeter Restwasser pro Sekunde. Basis dazu war ein Vertrag aus den 50er-Jahren, abgeschlossen zwischen Tiwag und der Stadt Landeck.
Bis zu 85 Kubikmeter Wasser pro Sekunde flossen seither durch den Stollen ins Laufkraftwerk bei Imst. Das Regelarbeitsvermögen liegt bei 550 Gigawattstunden (GWh), was dem Strombedarf von mehr als 150.000 Haushalten entspricht.
Um die gesetzlichen Vorgaben nach dem nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan 2009 zu erfüllen, muss Tirols größter Kraftwerksbetreiber seit 22. Dezember 2015 die Produktion reduzieren und auf 23 GWh verzichten, wie Tiwag-Projektleiter Robert Reindl auf TT-Anfrage bestätigte. „Diese Menge entspricht der Produktion eines größeren Kleinkraftwerkes.“
Laut Datenbank von Hydro Online des Landes Tirol am Mittwoch um 13 Uhr führte der Inn bei Pfunds 68,2 Kubikmeter Wasser. An der Wehranlage Runser Au mussten die Strommacher davon fünf Kubikmeter (früher nur einen Kubikmeter) den Landeckern überlassen. Ab dem Zusammenfluss mit der Sanna führte der Inn (Messstelle Perjener Brücke) wieder 18,9 Kubikmeter pro Sekunde. „Ich bin wiederholt von den Landeckern auf das geringe Restwasser im Inn angeredet worden“, sagte Bürgermeister Wolfgang Jörg. „Wegen des Vertrages waren uns die Hände gebunden. Dass unsere Hauptschlagader jetzt auch im Winter mehr Fülle hat, kann ich nur begrüßen. Das ist für alle wichtig, auch für den Tourismus.“
Nicht nur mit der höheren Restwassermenge, auch mit dem 4,7 Mio. Euro teuren Fischlift in der Runser Au musste die Tiwag gesetzliche Vorgaben erfüllen. „Noch hat die Wanderzeit der Fischpopulation nicht begonnen. Aber der Probebetrieb hat uns gezeigt, dass alles funktioniert“, sagte Reindl. Mehrfach habe man „Fisch-Transporte“ mit Video-Aufnahmen dokumentieren können.
Kommentare