Griechenland vor dem Blackout
Für heute ist in Griechenland einer der größten Streiktage der vergangenen Jahre angekündigt.
Von Ferry Batzoglou
Athen — Die jüngste Protestwelle in Griechenland erreicht heute mit einem 24-stündigen Generalstreik ihren (vorläufigen) Höhepunkt. Es ist der dritte Generalstreik seit den jüngsten Parlamentswahlen in Athen am 20. September. Beobachter rechnen mit einer massiven Streik-Beteiligung. Zu dem neuerlichen Generalstreik haben die beiden Dachgewerkschaften der Privatangestellten und Beamten aufgerufen. Sie protestieren gegen die von der Links-rechts-Regierung geplante Renten- und Steuerreform.
Der Vorschlag der Regierung von Premier Alexis Tsipras: Alle Pensionskassen sollen fortan zu einer einzigen Sozialkasse fusionieren. Die Renten für neue Pensionäre sollen ferner um durchschnittlich 15 Prozent gekürzt werden, die heutigen Renten hingegen unangetastet bleiben — zumindest vorerst. Dafür sollen die Sozialbeiträge massiv angehoben werden.
Auch Bauern und Freiberufler wie Rechtsanwälte, Notare, Ärzte und Ingenieure laufen gegen die Regierungspläne Sturm. Denn: Sie müssen besonders bluten. Aus Protest blockieren schon seit mehr als zwei Wochen die griechischen Bauern mit ihren rund 25.000 Traktoren an landesweit 127 Stellen die Autobahnen. Sie drohen damit, die Grenzübergänge nach Bulgarien und in die Türkei unbefristet zu schließen.
Ferner bleiben heute die Fähren in den Häfen vertäut. Zudem fallen Inlandsflüge aus. Ebenso ziehen die Taxifahrer die Bremse an. Auch Tankstellen bleiben geschlossen. Die Forderung der Bauern und der Freiberufler: Die Athener Regierung solle umgehend ihren Reform-Entwurf zurücknehmen, damit ein Dialog „von null an" beginnen könne.
Geschlossen bleiben am Donnerstag nicht nur öffentliche Dienststellen. Auch Händlerverbände haben angekündigt, dass die Geschäfte in ganz Griechenland heute geschlossen bleiben. Die Devise im ewigen Euro-Sorgenland: Blackout in Griechenland.
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