Politik in Kürze

Applaus für Palfrader, Schelte für AHS-Lehrer

Bildungslandesrätin Beate Palfrader.
© Thomas Böhm / TT

Innsbruck – Die Kraftprobe mit den Vertretern der 25 Gymnasien fällt für Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) härter aus als jene im Lan...

Innsbruck –Die Kraftprobe mit den Vertretern der 25 Gymnasien fällt für Bildungslandesrätin Beate Palfrader (VP) härter aus als jene im Landtag. Obwohl Informationsdefizite über die Vorbereitung einer Modellregion für eine gemeinsame Schule der 6- bis 14-Jährigen beklagt werden, ist mit ÖVP, den Grünen, SPÖ und der Liste Fritz eine breite Mehrheit dafür. Das wurde bei der gestrigen Landtagssitzung deutlich. Einzig FPÖ und Impuls sind dagegen. LA Maria Zwölfer (Impuls) hatte die Anfrage zur künftigen „Modellregion“ auf die Landtagstafel geschrieben.

Überschattet wird die politische Debatte vom Streit mit den AHS-Vertretern, die sich gegen den Schulversuch aussprechen. Während die Pflichtschullehrer offen dafür sind, hat der Vorstand der AHS-Direktoren Palfrader jetzt einen Korb gegeben. Sie wollen nicht in der Steuerungsgruppe mitarbeiten. Vielmehr fordern die Direktoren eine aktive Mitbestimmung. „Da Sie im Ernstfall sicher auch gegen den Vertreter der AHS-DirektorInnen entscheiden würden, erscheint unsere Anwesenheit (...) nicht sinnvoll“, begründeten die AHS-Chefs ihre Absage.

Die Landesrätin ist enttäuscht über diese Haltung und „über diffamierende und beleidigende Aussagen“. Man brauche nicht in Polen oder anderswo nach demokratiepolitisch bedenklichen Regierungsaktivitäten suchen, heißt es etwa in einer Online-Petition des BRG/BORG Landeck zum Erhalt des Gymnasiums und zur Mitbestimmung der Schulpartnerschaft. „Der Vergleich mit Polen ist nicht zu akzeptieren“, kritisiert Palfrader das „fehlende Niveau“ mancher Aussagen. Mit Aufklärung und Information will sie entgegenwirken. „Außerdem gibt es mit der gemeinsamen Lehrerausbildung ab 2019 ohnehin nur noch Pädagogen für die Sekundarstufe II.“

Palfrader will eine faire Schule für alle mit Kern- und Grundkompetenzen sowie der Förderung von Begabungen. „Auch in der gemeinsamen Schule differenzieren wir.“ Applaus für ihr Plädoyer erhielt sie von SP-Bildungssprecher Thomas Pupp, der einmal mehr eine Aufwertung der Neuen Mittelschule durch eine Maturamöglichkeit vorschlägt. Für LA Ahmet Demir (Grüne) macht eine Modellregion vor allem in Innsbruck Sinn. Das sieht auch Palfrader so, doch „der Entwurf der Bundesregierung steht dem derzeit entgegen“. Fritz-Klubchefin Andrea Haselwanter-Schneider ortet im Informationsdefizit den Grund für die heftigen Diskussionen. „So bringt man eine Idee um.“

Maria Zwölfer und FP-Chef Markus Abwerzger brechen hingegen eine Lanze für das bestehende System. Die Uneinigkeit in der ÖVP sei das Problem, mutmaßte der FPÖ-Chef und zitierte genüsslich VP-Nationalratsklubchef Reinhold Lopatka. Die Menschen seien verschieden, deshalb sei ein differenziertes Schulsystem wichtig. (pn)