Justiz-Auktionen wurden zum Internet-Renner
Von Reinhard Fellner...
Von Reinhard Fellner
Innsbruck –„Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Verkauft!“ Es ist rund zehn Jahre her, dass diese Worte unter lautem Hammerschlag aus dem Mund des legendären Landesgerichts-Auktionators Manfred Nothdurfter zum letzten Mal fielen. Nach der Auflassung der Auktionsraumes wurde es still um die Versteigerung von gepfändeten, aus Konkursen stammenden oder nach Straftaten eingezogenen Gegenständen.
Bis das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) vom Justizministerium zur bundesweiten Umsetzung einer Internetversteigerungs-Gerichtsplattform nach dem Vorbild von eBay beauftragt wurde. Diese wurde von den Tirolern entwickelt und startete im April 2015 im Netz. Dabei arbeitet die heimische Justiz eng mit der seit 2006 betriebenen deutschen Justiz-Internetversteigerungsplattform justiz-auktion.de zusammen. Der Erfolg für das erste Quasi-Halbjahr übertrifft dabei die kühnsten Erwartungen. Nicht nur dass das System und das Zusammenspiel mit den mittlerweile österreichweit mit Digitalkameras ausgerüsteten Exekutoren völlig reibungslos funktioniert, steigen die Zugriffe auf www.justiz-auktion.at Monat für Monat.
Reinhard Vötter, zuständiger OLG-Präsidialrichter für den Bereich Fahrnisexekution, am Donnerstag zur TT: „Wir verzeichneten letztes Jahr 142 abgeschlossene Auktionen. Alles wird von uns angeboten. Ob es Handys, Elektronikartikel, Kleidungsstücke oder Autos sind. Durch die Versteigerungen kamen für Gläubiger von Schuldnern 120.000 Euro zusammen!“
OLG-Fachinspektor Mario Hofer hat die Koordination inne und lieferte Ersteigertes letztes Jahr auch oftmals nach Deutschland, Polen, Tschechien, Ungarn in die Slowakei oder Schweiz.
Vötter: „Das System scheint attraktiv. Wir beginnen bei der Hälfte des Schätzpreises. Der Käufer hat dann nur noch die Versandkosten zu tragen.“ Vötter verhehlt aber nicht, dass manche Produkte, beispielsweise Apple-Geräte, sogar über den Schätzwert ersteigert werden.
Als Auktionsrenner haben sich auch Autos entwickelt. Wobei das Bieten im Vergleich zu früher (gekauft wie gesehen) nun fast risikolos ist. Nunmehr bestimmt nämlich erst ein Sachverständiger den Schätzwert. Los geht es dann wieder bei der Hälfte. Vötter: „Da ist ein VW Golf zum Ausrufpreis von 2500 Euro schnell weg. Bei einem aus einer Straftat stammenden BMW X6 registrierten wir 6000 Klicks, bis der Wagen um gerade 22.000 Euro an einen Bieter ging.“
Der Ausblick für 2016 ist bereits heute überaus gut. So kam es schon diesen Jänner zu 32 Auktionen. Vötter: „Weiter eine sehr erfreuliche Entwicklung. Da haben wir schon im ersten Monat ein Viertel des letzten Jahres!“
Kommentare