Sing mir das Lied vom Tod
Der neue Austro-Tatort taucht in die Untiefen des Musikbusiness ein, wo es einem Casting-König an den Kragen geht. Aber es bleibt auch Zeit für lustigen Sex-Talk.
Von Christiane Fasching
Innsbruck –Karrieretechnisch kann die Teilnahme an einer Casting-Show einem Selbstmord gleichkommen. Auf der Jagd nach Spitzenquoten werden mäßig talentierte Kandidaten aus Spaß an der Freud’ höhnisch vorgeführt, schlau ausgetüftelte Knebelverträge machen selbst die Sieger zu Verlierern. Dazu kommt, dass die zu Stars hochgepushten Talente ohnedies recht rasch wieder allen schnuppe sind – spätestens dann, wenn die neue Staffel startet, leuchtet der Scheinwerfer nämlich in die andere Richtung.
Auch der neue Austro-Tatort aus der Feder des Wahl-Tirolers Uli Brée wandelt auf den Castingpfaden – und trägt aus gegebenem Anlass den Titel „Sternschnuppe“. Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermitteln dabei hinter den Kulissen der Talenteshow „Sing your Song“, die vom fiktiven Privatsender Kanal 7 produziert wird. Etwaige Parallelen zum hausgemachten Casting-Produkt „Starmania“ will man beim ORF also gar nicht erst aufkommen lassen. Los geht’s mit einer gar grausligen Entdeckung: Musikmanager und Casting-Juror Udo Hausberger hängt mit einem Nylonsackerl am Kopf tot in seiner Dusche – doch das ursprünglich vermutete Sexperiment entpuppt sich rasch als Mord. In der Luftröhre des skrupellosen Casting-Königs finden die Ermittler den Text eines Songs, den der junge Musiker Aris Graf (Rafael Haider) eigentlich im Finale der Show anstimmen wollte. Die geht natürlich trotz Mords- alarm weiter – denn wie sagt die von Claudia Kottal verkörperte Fernseh-Lady Vanessa so schön? „Wir sind beim Privatfernsehen, nicht bei der Caritas.“ Menschlichkeit ist in dem von Brée gezeichneten Casting-Kosmos Mangelware – der Ton, der in der TV-Parallelwelt angeschlagen wird, ist hart und herzlos, die Talente werden hier nicht nur finanziell, sondern auch emotional und sexuell ausgebeutet. Man hofft fast, dass hier mehr die Fiktion als die Realität Vater des Plots war.
Aber im neuen rot-weiß-roten „Tatort“ darf auch gelacht werden – Bibi Fellner und Moritz Eisner haben nämlich ihre liebe Not mit der Liebe. Außerdem hadern sie mit der psychologischen Erkenntnis, dass man anhand seines Autos Rückschlüsse auf seinen bevorzugten Sexualpartner machen könnte. Ist Eisner jetzt tatsächlich ein alter Golf? Und wie lässt es sich deuten, dass Fellner eine tiefer gelegte Proleten-Karre fährt, die nur nach Streicheleinheiten anspringt? Obendrein verschlägt es die bislang nur platonisch verbandelten Kommissare bei ihren Ermittlungen auch in die Praxis eines Sexualtherapeuten, der zum Ergebnis kommt, dass die beiden Dauer-Singles doch eigentlich wie gemacht füreinander wären. Sein Rat: Man könnte sich ja zuerst einmal auf der erotischen Ebene näherkommen. Der Rest würde sich vielleicht eh von selber ergeben.
Es bleibt also spannend, um nicht zu sagen knisternd: Die nächste Gelegenheit, sich zu einem Pärchen zusammenzuraufen, hätten Grantscherben Eisner und Wirbelwind Fellner im Herbst, wenn der zweite „Austro“-Tatort des Jahres ausgestrahlt wird. Auch für Nachschub ist gesorgt: 2016 werden drei neue Episoden gedreht.
Aber zurück zum aktuellen Fall, in dem der 24-jährige Axamer Rafael Haider (siehe links) sein „Tatort“-Debüt gibt. Unbeschriebenes Blatt ist der Sohn des Akkosax-Virtuosen Siggi Haider aber keines. Schon als Bub stand er im Tiroler Landestheater auf der Bühne, sein Kinodebüt gab er 2001 im Andreas-Hofer-Film „Die Freiheit des Adlers“, wo er aber rasch den Filmtod starb – seiner Liebe zur Schauspielerei tat das allerdings keinen Abbruch.
Kommentare