Darf man als Priester auch Bussis geben?
Von Gabriele Starck...
Von Gabriele Starck
Innsbruck –Nur den wenigsten ist Begeisterung ins Gesicht geschrieben. „Sind Sie freiwillig da, oder hat Sie der Religionslehrer hierhergezerrt?“ Die unverblümte Frage von Dogmatik-Professor Jozef Niewiadomski weckt auch die letzten müden Geister auf. Lautes Lachen erfüllt den Saal im Haus der Begegnung.
Es ist TheoTag, der bereits achte, den die Diözese Innsbruck gemeinsam mit der Schulbehörde in Innsbruck organisiert hat. 350 Schülerinnen und Schüler von Landeck bis Kufstein sind gekommen. Sie sollen hier die große Bandbreite der kirchlichen Berufe kennen lernen – von der Nonne über den Bibelwissenschafter bis hin zum Theologen in Wirtschaftsunternehmen. „Die meisten verbinden mit der Kirche ja doch nur den Priesterberuf“, sagt Diözesanadministrator Jakob Bürgler. „Spinnscht du?“ Diese Reaktion habe er selbst zu hören bekommen, als er verriet, Priester werden zu wollen. „Man muss wohl ein bisschen verrückt sein, wenn man das tut“, meint Bürgler augenzwinkernd und lädt die jungen Menschen ein, „doch auch ein wenig verrückt zu sein“.
Das Eis ist längst gebrochen, die Schüler verteilen sich auf die verschiedenen Workshops. Den größten Andrang findet das Thema „Gefährliche Religion? Europas Angst vor dem Islam“. Doch auch der Bibelwissenschafter, der anhand von Rotkäppchen erklärt, worauf es bei der Wissenschaft ankommt – nämlich die richtigen Fragen zu stellen, lockt viele Schüler an.
Am heftigsten diskutiert und hinterfragt jedoch wird beim Priester-Workshop, auch wenn sich hier nur eine kleine Runde zusammengefunden hat. Das Zölibat beschäftigt. „Darf ein Priester auch Bussis geben?“, lautet die vornehm formulierte Frage eines jungen Mannes. Die beiden Priester, Wolfgang Meixner und Kidane Korabza versuchen, so direkt wie möglich die Fragen zu beantworten, und betonen, den Weg ja ganz bewusst eingeschlagen zu haben. Auch wenn es sehr wohl Zeiten gebe, wo man Sehnsucht empfinde. „Die Menschen sind ja mit meiner Weihe nicht plötzlich alle schiach geworden.“ Aber schwierige Zeiten gebe es auch in Beziehungen, meint Meixner.
Wie viele Schüler sich nach dem TheoTag tatsächlich für einen kirchlichen Beruf entscheiden, sei nicht maßgeblich, meinen die Organisatoren. Wichtig sei, einmal einen Eindruck von der Vielfalt mitgegeben zu haben. Und wohl auch Niewiadomskis Ansage zu verinnerlichen: „Das Christentum ist nicht Schnee von gestern, sondern Wasser für morgen.“
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