Ohne Schilder zum Ziel

Gemeinsam mit dem St. Sigmunder Insider Lukas Ruetz ging’s diese Woche auf den Mitterzaigerkopf im Sellraintal. Eine Alternative zum danebenliegenden Rietzer Grieskogel.

© privat

Silz –Nicht allzu viel Schnee im Gelände, eine Schlechtwetterfront mit Schnee, Regen und schlechter Sicht. Na bravo! Die Voraussetzungen für unseren Tourenausflug am Mittwoch waren diese Woche nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Also wohin?

Gut, dass wir ein paar Insider in den verschiedensten Tiroler Seitentälern zu unseren Bekannten und Freunden zählen dürfen, die uns immer wieder mit dem einen und anderen Hinweis zur Seite stehen. Im Sellraintal und in Teilen der Stubaier Alpen ist es Lukas Ruetz. Kaum ein anderer kennt die Spitzen, Rinnen und Zacken dort so gut wie er. Perfekt, genau der richtige Mann für uns. Denn wenn selbst der 23-jährige Student keinen Ratschlag mehr weiß, ist eine Skitour wahrscheinlich erst gar nicht mehr möglich. „Schafleger, Fotscher Windegg, Mitterzaigerkopf? Oder doch vielleicht Schafzoll oder Wetterkreuz? Wohin soll’s gehen?“ Ein Vorschlag nach dem anderen rattert am Telefon aus dem Mund von Lukas Ruetz. Natürlich immer mit dem Hintergedanken, dass die Tour auch sicher ist. Schließlich einigen wir uns auf den Mitterzaigerkopf.

Und so kommt man hin: Wir parken unser Auto rechts neben der Straße zwischen den beiden Lawinengalerien kurz vor dem Ort Kühtai. Also auf jenem Parkstreifen, wo auch die Tour auf den Rietzer Grieskogel startet. An schönen Tagen ist es manchmal schwierig, hier überhaupt ein freies Plätzchen zu finden. Heute nicht, denn nur ein einziges Auto ziert einsam und verlassen das wolkenverhangene Landschaftsbild.

Leider sind die Spitzen rund um uns bereits mit dichten Schneewolken umhüllt. Was soll’s. Der Mitterzaigerkopf über das Kreuzjoch geht „fast“ immer. Zwischen Latschen und Bäumen folgen wir mäßig steil, aber auf etwas rutschigem Terrain dem ersten Teil der Aufstiegsspur in Richtung Klammbachtal.

Am Fuße zwischen kleinem und großem Mugkogel, die sich links nach oben türmen, bringt uns die Route in westliche Richtung, flach und entlang des Klammbaches weiter hinein. Bei schönem Wetter hat man den Mitterzaigerkopf stets vor Augen, wir müssen darauf nebelbedingt fast gänzlich verzichten.

Doch Ruetz kennt den Weg wie seine Westentasche. Wir vertrauen ihm voll und ganz und folgen ihm und Hündin Aria hinterher. Etwas steiler und in weiten Kurven, bis wir unterhalb der Narrböden auf einer Seehöhe von 2310 Metern auf gelbe Wegweiser treffen. Rechts – Rietzer Grieskogel, links – Kreuzjoch. Wir halten uns links und erreichen nach weiteren 250 Höhenmetern in nicht wirklich steilem Gelände das Kreuzjoch.

Der Mitterzaigerkopf ist aber das eigentliche Ziel: Links über den Grat, der etwas ausgesetzt ist und bei dem man trittsicher sein sollte, stapfen wir ohne Skier durch den Schnee und mit kleineren unschwierigen Kletterpassagen zum Gipfelkreuz. Vorsicht: Manchmal ist der erste Teil des Grates überwechtet.

Nur zur Info: Ein Hinweisschild mit Mitterzaigerkopf liest man während des gesamten Aufstieges nirgends und das Gipfelkreuz bekommt man erst ganz oben am Gipfel zu sehen. Der Schneefall wird dichter und so gönnen wir uns nicht viel Zeit am Gipfel. So wie wir aufgestiegen sind, nehmen wir bei schlechter Sicht die Abfahrt in Angriff.

Einzig Hündin Aria scheint vom diffusen Licht unbeeindruckt zu sein und flitzt wieselflink neben uns zurück zum Ausgangspunkt der Tour. Beim Auto angekommen, geht’s nach St. Sigmund, wo im elterlichen Gasthaus von Ruetz mit kulinarischen Schmankerln der gemütliche Teil beginnt.

Und Aria? Hunger scheint sie nicht zu haben. Sie lässt die Tour lieber bei einem Nickerchen in ihrem Hundekorb ausklingen. Auch fein. (flex)

Infos zur Tour

Ausgangspunkt: zwischen den beiden Lawinengalerien kurz vor dem Kühtai. Parkmöglichkeiten entlang der Straße. Ausgangspunkt: 1870 Meter. Mitterzaigerkopf: 2628 Meter. Kreuzjoch: 2563 Meter.

Strecke: Zu bewältigende Höhenmeter ca. 760. Gehzeit: ca. 2 Std. Bei geeigneter Spurwahl ist der Aufstieg zum Kreuzjoch fast immer möglich. Achtung: Der Grat zum Mitterzaigerkopf ist leicht ausgesetzt. Trittsicherheit empfohlen. Die Tour ist in den Bereichen der Mugkogel mitunter lawinengefährdet (enges Tal)!

Einkehrschwung: Gasthaus Ruetz, St. Sigmund im Sellraintal. Gastronomiebetriebe im Kühtai.


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