Schrägaufzug auf Ehrenberg steckt im Politgetriebe fest
Von Helmut Mittermayr...
Von Helmut Mittermayr
Reutte — Sollten sich die Reuttener fragen, warum die seit Jahren fix und fertigen Pläne für den Schrägaufzug auf Ehrenberg noch immer in der Schublade liegen, dann finden sie die Antwort in der Reuttener Politik. Bürgermeister Alois Oberer hatte schon Ende 2014 die Projektpräsentation durch Burgengeschäftsführer Armin Walch von der Tagesordnung des Burgenvereines absetzen lassen. Ein Disneyland sei nicht erwünscht, ließ Oberer den Vorstand damals wissen. Obwohl das neue Aufzugprojekt gleich wie die Highline 179 über private Investoren ausfinanziert wäre, fehlt das „Go" der Marktgemeinde.
Walch würde den Aufzug, ähnlich jenem am Bergisel, gerne umgehend in Angriff nehmen wollen, weil eine ganze Besuchergruppe von der Highline „ausgeschlossen" bleibt. Das Problem: Praktisch alle Seniorenreisen haben einen Anteil von 10 bis 15 Prozent geheingeschränkter Personen. Für sie ist der Fußmarsch auf steilem Weg über 120 Höhenmeter zur Hängebrücke nicht bewältigbar. Da ein Dauertransport dieser Gruppe zur Highline 179 auf dem stark begangenen Fußweg mit Fahrzeugen nicht möglich ist, sehen Reiseveranstalter von Senioren inzwischen von einem Besuch durchwegs ab. Ein 400 Meter langer Schrägaufzug mit einer Mittelstation am Schlossanger (Zugang Highline), der in einem zweiten Schritt bis zum Schlosskopf hinauf geplant wäre, würde hier Abhilfe schaffen.
Für Marktchef Alois Oberer hat sich an seiner damaligen Einstellung nichts geändert: „Ich bin ganz klar gegen den Schrägaufzug. Das fördert den Massentourismus nur noch weiter. Um die Brücke richtig zu erleben, muss man auch zu Fuß hinaufgehen." Oberer glaubt, dass die wenigen, die wirklich Gehprobleme hätten, auch hinaufgebracht werden könnten.
Auch Barbara Brejla, die grüne Bürgermeisterkandidatin, lehnt den geplanten Schrägaufzug rundum ab — wenn auch aus gänzlich anderen Motiven. „Ich bin gegen Liftneubauten in jeglicher Form. Damit ist alles gesagt." Ein Heranbringen von Senioren mit einer Geheinschränkung an die Highline kann sie sich mittels Autos von der Heiterwanger Seite vorstellen. Man müsse nur flexibel denken.
Vizebürgermeisterin Elisabeth Schuster spricht sich hingegen klar für den Bau des Schrägaufzuges aus. „Warum soll es jenen Senioren, die sich beim Gehen schwerertun, verwehrt bleiben, auch die Hängebrücke erleben zu dürfen? Selbstverständlich bin ich für das Projekt. Der Bedarf ist ganz sicher gegeben. Einzige Einschränkung: Der Aufzug muss wie die Highline privat finanziert sein. Die Gemeinde hat kein Geld dafür", sagt die Reuttenerin.
Die Liste „Reutte neu denken — SPÖ" lässt sich alle Optionen offen. Helmut Triendl: „Die Sinnhaftigkeit gehört im neuen Gemeinderat ernsthaft diskutiert und geprüft und alle Für und Wider auf das Gesamtbild von Ehrenberg abgewogen."
Weitere Reuttener Zukunftsfragen werden beim TT-Forum zur Gemeinderatswahl am Mittwoch, 10. Februar, mit den drei Bürgermeisterkandidaten Oberer, Schuster und Brejla in der Wirtschaftskammer Reutte um 19.30 Uhr diskutiert. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen — auch zum Mitdiskutieren. Nach der Veranstaltung kann das Gehörte im lockeren Plausch auch gleich besprochen werden. Denn die Wirtschaftskammer, die gerne unternehmerisches Denken der Mandatare forcieren möchte, lädt alle Besucher zu einem „Get-together" mit Gratisgetränk. Der Eintritt ist frei.
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