Bürgerkrieg in Syrien

Friedensprozess zum Trotz: Russland bombardiert weiter Rebellen

Zerstörte Häuser in Aleppo (Syrien).
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Moskau untergrabe mit seinen Luftangriffen den Friedensprozess in Syrien, kritisiert die NATO. Russland weist die Vorwürfe zurück: Man unterstütze nur den Kampf gegen den Terror.

Moskau/Damaskus/Amsterdam – Ungeachtet internationaler Appelle zu militärischer Zurückhaltung rückt die syrische Armee weiter mit russischer Unterstützung in mehreren Landesteilen vor. Im Süden nahm sie am Freitag die Stadt Ataman nahe Deraa ein. Im Norden zog die Armee den Ring um Aleppo enger. Unterdessen brachte Saudi-Arabien eine Bodenoffensive gegen die Extremistenmiliz IS (Daesh) in Syrien ins Gespräch.

Die Informationen stammen vom Hisbollah-Fernsehsender Al Manar und der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Miliz der schiitischen Hisbollah kämpft an Seite des syrischen Regimes gegen Aufständische im Land. Auch die Angaben der Beobachtungsstelle sind nicht unabhängig überprüfbar.

Assad-Armee eroberte Gebiete zurück

Seit dem Beginn der russischen Luftangriffe im September hat die syrische Armee zusammen mit ihren Verbündeten im Westen, im Norden und im Süden massive Vorstöße gestartet und die Rebellen zurückgedrängt. Schon in der vergangenen Woche hatte die Armee in der Provinz Deraa Boden gegenüber den Rebellen gutgemacht und ihre Position nun mit der Einnahme von Ataman gefestigt.

Ataman ist ein strategisch wichtiger Ort, weil Rebellengruppen zuletzt von dort ihre Attacken auf die Stadt Deraa an der Grenze zu Jordanien lancierten. Das Stadtzentrum von Deraa ist aktuell unter Rebellenkontrolle.

Seit einigen Tagen meldet die Armee auch Erfolge gegen Rebellenstellungen in der nordwestlichen Provinz Aleppo. Am Mittwoch eroberten Truppen des Regimes von Präsident Bashar al-Assad die Städte Nubul und al Zahraa und unterbrachen so die wichtigste Verbindungsroute der Rebellen zur türkischen Grenze.

Rebellen: Moskau fliegt Hunderte Angriffe pro Tag

Der Kommandant einer von den USA unterstützten Rebellengruppe sagte am Freitag, das Gebiet nördlich von Aleppo sei inzwischen völlig von Regierungstruppen eingeschlossen und werde von russischen Kampfflugzeugen heftig bombardiert. Es gebe mehr als 250 Luftangriffe pro Tag. Die Rebellen brauchten mehr Unterstützung, vor allem Luftabwehrraketen, aber dies werde wohl ein Traum bleiben, sagte er.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg.
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Vor dem Hintergrund dieser militärischen Erfolge scheint es die Regierung von Präsident Bashar al-Assad nicht eilig zu haben, einen Waffenstillstand zu vereinbaren und politische Verhandlungen zu führen. Die USA werfen ihr vor, den Konflikt militärisch statt politisch lösen zu wollen. Der Westen macht Russland dafür mitverantwortlich, dass die Genfer Syrien-Friedensgespräche derzeit auf Eis liegen. NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte dazu am Freitag: „Die russischen Luftangriffe, die vor allem gegen Oppositionsgruppen in Syrien gerichtet sind, untergraben die Bemühungen, eine politische Lösung des Konflikts zu finden.“ Russland erklärte, es bemühe sich weiterhin um eine friedliche und politische Lösung der Lage in Syrien. Zugleich unterstütze es die legitime Führung Syriens in ihrem Kampf gegen den Terrorismus.

Saudi-Arabien bietet Entsendung von Bodentruppen an

Unterdessen gab Saudi-Arabien bekannt, sich an einer Bodenoffensive gegen den IS in Syrien beteiligen zu wollen, wenn sich die von den USA angeführte Koalition dafür entscheide, sagte Brigadegeneral Ahmed Asseri dem Fernsehsender Al-Arabiya. US-Verteidigungsminister Ashton Carter begrüßte das Angebot. Solche Initiativen machten es für die USA leichter, ihren Kampf gegen de IS zu beschleunigen. Er werde kommende Woche in Brüssel mit seinem saudi-arabischen Kollegen darüber sprechen.

Saudi-Arabien und die USA unterstützen einerseits Rebellen in Syrien in ihrem Kampf gegen die Regierung. Andererseits bekämpfen sie die Terrororganisation IS, die ebenfalls gegen die syrische Regierung kämpft. Die syrische Regierung wiederum bezeichnet viele der zahlreichen Rebellengruppen, von denen einige der Al-Kaida nahestehen, ebenfalls als Terroristen. (APA/Reuters/AFP)